Montag, 19. September 2011

PARTYPEOPLE

Dies ist ein Re-Post eines Blogeintrages von Thom Nagy, welcher vor einiger Zeit im Netz war. www.thomnagy.com. Damals wie heute fasst er meine Gedanken zur Schweizer Partykultur sehr genau in Worte:




Disclaimer: Ich bin jetzt 30. Als ich vor 15 Jahren mit meinen Kumpels die ersten Parties im Hirschi-Keller schmiss, tanzten im Publikum fast nur Freunde, Kollegen und Menschen, die man von woauchimmer kannte. Wir waren alle ungefähr gleich alt und gleich hungrig auf Abenteuer, zumindest nahm ich das so wahr. Wie das so ist in dem Alter, war jede Party neu, jede Party einzigartig und damit jedes Wochenende legendär. Die folgenden Jahre verbrachte ich partytechnisch zu einem grossen Teil als DJ hinter Plattentellern. Ein perfekter Ort, um zu beobachten. Die Freunde von damals feierten sich, uns und die Welt weiterhin, als ob es kein morgen gäbe – ich mit ihnen. Und immer öfter mischten sich neue Gesichter unter unsere wachsende Wochenend-Gemeinschaft, sie wurden begeistert aufgenommen.
Irgendwann begann eine Entwicklung, die ebenso unerwartet, wie unvermeidbar war: Die Anzahl neuer Freunde auf der Tanzfläche nahm ständig zu, während die Exzesse meiner alten Kampfgefährten langsam sporadischer wurden. Einige von ihnen entdeckten die Instant-Freuden einfacher Scheiaweia-Mucke (80s, Oldies) und feierten anderswo in Lackschuhen weiter, andere verabschiedeten sich fürs Studium in fremde Städte und einige wenige – diese Gruppe bereitete mir am meisten Sorgen – begannen das Interesse am Hedonismus auf dem Dancefloor und parallel dazu auch an den Herausforderungen neuer, unbekannter Musik langsam zu verlieren. Abendessen im kleinen Kreis und so. Nicht so anstrengend.
Das exzessive Nachtleben ist etwas für Menschen mit einem Sprung in der Schüssel – was unter den richtigen Umständen ein wunderbares Kompliment ist. Das war mir irgendwie schon immer bewusst. Den endgültigen Beweis für diese Annahme erbrachten Reisen in die grossen Städte dieser Welt: Ich legte in Barcelona, Berlin, Jakarta auf, sah wie die Menschen dort feierten. Und wie dort in den Clubs auch Menschen mit grauen Haaren völlig unpeinlich eine ganze Menge Style zur Schau stellen konnten. Vielleicht, so überlegte ich mir, zieht es eine bestimmte Art von Mensch (eben die mit diesem wunderbaren Sprung in der Schüssel) irgendwann zwangsläufig in eine Grosstadt, weil sie sich nur dort in einer Community von Gleichgesinnten bewegen kann. Die Art von Mensch, die sich auch jenseits der 30er-Schallgrenze eine Neugier für aktuelle Entwicklungen des Nachtlebens bewahrt hat. Die vielleicht auch noch einen Sinn für Fashion hat. Die sich nicht darüber freut, das immergleiche Standard-Programm abzuspulen. Und diese Menschen fehlen dann hier bei uns.
Für meine Arbeit als Journalist rede ich oft mit DJs. Aus verschiedensten Szenen. Die meisten von ihnen sind über 20 (ich habe das Gefühl, Newcomer am Plattenteller sind heute rarer gesät, denn je) und machen dieselbe Beobachtung: Bei uns ist das heftige Partymachen als Selbstzweck für eine Mehrheit der Leute nur eine auf den Übergang vom Teen zum Twen begrenzte Phase in ihrem Leben. Diejenigen, die den Spass am Nachtleben als Lebenshaltung sehen, fühlen sich irgendwann unwohl in einem Publikum, das rein biologisch bald auch der eigene Nachwuchs sein könnte. Und bleiben zuhause, oder ziehen weg. Öffentliche Parties für ältere Semester sind bei uns alles andere, als Selbstzweck, wie ich im Selbstversuch feststellen musste: Vor einiger Zeit wagte ich mich an eine offiziell deklarierte Ü-25-Party. Ich wollte wissen weshalb sich diese Art der Veranstaltung plötzlich so explosionsartig verbreitet hatte. Mein mulmiges Magengefühl bestätigte sich: Statt Freude an der Musik und ausgelassenem Hedonismus, beäugten sich die angehenden 30er mit akuter Torschlusspanik verzweifelt. “Bist du es ? Oder du? Oder du?” sagten ihre rastlos umherwandernden Blicke. Die Musik spielte überhaupt keine Rolle, solange sie einen Beat hatten, zu dem man die eigene Lockerheit mit einem beherzten Hüftschwung beweisen konnte. Das kann es doch nicht sein, dachte ich mir. Und ging nach Hause.


Ein grosses Dankeschön an Thom Nagy diesen Text nochmals zur Verfügung stellen zu können!
www.thomnagy.com

Montag, 22. August 2011

BJÖRK Biophilia: Elektronische Spielereien im Kindergarten der Musikindustrie

Björk hat sich nach längerer Pause wieder mal kopfüber in Klangkosmen gestürzt. Im wahrsten Sinne des Wortes...

Das neue Album wird als App vorerscheinen, Soundbit für Soundbite, Song für Song, Galaxie für Galaxie. Erstmals: Natürlich steckt wieder mal ein verkopftes Kunstkonzept hinter dem durchorganisierten Chaos. Die App besteht aus verschiedenen Komponenten, welche ineinandergreifen sollen. Grundsätzlicher Ankerpunkt sind eine Art Sendung mit der Maus für Erwachsene. Aspekte der Wissenschaft werden in Häppchenform dem Zuhörer in einer unverkrampften Frische serviert, so dass man nach dem ersten Biss verwundert aufblickt, da man wissen möchte, was da jetzt alles dabei ist. Wie ein ausserirdisches Sushi. Momentan erhältlich sind nach der Gratis-App, zwei untergeordnete Anwendungen, welche separat gekauft werden müssen. Die Gratis-App symbolisiert den Kosmos, wo die Songs/Anwendungen einzelne Milchstrassen und ähnliches darstellen. In regelmässigen Abständen soll für die schon geteasten Songs Material nachgeliefert werden.

Zu jedem der beiden Songs gibt es Hintergrundsinformationen, welche von Songstruktur-Analysen über Themenhintergründen bis zur Noten-Partitur reichen. Zusätzlich wurde für alle Songs ein spielerischer Zugang gefunden, welche den dramaturgischen Bogen bereichert und/oder reflektiert. Die beiden Spiele sind intuitiv, recht schön programmiert, können sich aber nicht gegen die Spiele-App-Klassiker behaupten. Als Tangente innerhalb einem Gedankenuniversum jedoch eine wohltuende Abwechslung. Natürlich nur, wenn man Fan ist... Denn mit CHF 2.00 pro Mini-Anwendung ist der Preis für ein Spiel zu hoch. Der Song auf iTunes, fürs eeewige Anhören ist dann auch nur CHF 1.60. Als Fan hat man beides und dann wirds teuer. Und das Album braucht man ja auch noch und die beim ersten Song erschienenen 4 12" mit jeweils Interpretationen der Albumtracks eines einzelnen Remixers. Aber Björk-Fans hatten es noch nie einfach.

Fazit: eine nette Idee mit der die gute Dame sicher im Gespräch bleibt. Der wichtigste Aspekt ihres Wirken bleibt jedoch immer noch die Musik. Und die genialen Michel Gondry-Clips. Und die tollen Coverfotos. Und ...



Search for:
-Biophilia auf iTunes (wahrscheinlich auch Android)
-A propos ausserirdischen Sushis... Unbedingt mal reingucken: WONTON SOUP

Dienstag, 9. August 2011

GREEN LANTERN Der Film

Dass die Comix im Moment ein neues Hoch bei DC einfahren wurde hier ja schon mal besprochen:
http://wastethelight.blogspot.com/2010/12/green-lantern-brightest-day-flash.html
Nun hat Warner, die auch hinter DC stehen natürlich eine sich selber milchende Superkuh, die natürlich jetzt noch im ganzen Superhelden-Rummel geschlachtet werden soll. Mit zwiespältigem Resultat (siehe auch die OnePixReview auf Twitter -> Suchwort WASTETHELIGHT)...

Leider bleibt das Debut ein wenig auf der Strecke. Nach einem fulminanten Start und immer wieder guten Szenen in teilweise beeindruckendem 3D, schafft es der Film, trotz tangentenreicher Story, immer wieder zu langweilen. Mehrmals wünschte ich mir die Dichte einer Fringe-Folge zurück.

Zusätzlich bin ich misstrauisch, wie DC ihr Comicuniversum verkauft. Marvel löste dies sehr geschickt (siehe auch http://wastethelight.blogspot.com/2011/05/thor-und-das-marvel-universum.html). DC? Sie versuchens jetzt auf Biegen und Brechen. Die Rolle der Miss Waller ist ein abgespeckter Nick Fury. Wie weit Checkmate, eine der grossen Untergrundsorganisationen im DC-Universum dabei eine Rolle spielt? Es werden keine weiteren Samen gesetzt. Schade...

Doch nicht nur innerhalb des Big Picture gibts zu wenig. Auch innerhalb des Green Lantern Universum hätten viel mehr Samen des momentan sehr reichen Comic-Universum gesetzt werden können. Und das einzig ausgefleischte Samenkorn eines Hector Hammonds wird gekillt. Brutzel Brutzel. Neben dem Gelben Ring, doch dieser gehört einfach dazu...

Alles in Allem. Nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Und die Chance, dass Batman oder Superman plötzlich vorbeigucken bei kosmischen Katastrophen? Eher mau im Moment. Dabei warte ich noch immer auf die Filmversion von Batman in Space! :-)


Freitag, 5. August 2011

BAD VIBES by Luke Haines

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Meine Review zum Britpop-Bashing, Selbstbeweihräucherungsfall BAD VIBES von Luke Haines.

Montag, 18. Juli 2011

TRANSFORMERS 3

CRASH BOOM BANG "help help help" BUDDABUDDABUDDABUDDA, VERWANDEL, CRASH BOOM BANG "ick bin ein berliner!" mmmm DONUTS. AAAAAAAAAAAAARGH, "the end of the world as we know it" BIG GUN, BIGGER GUN, BIGGEST GUN BUDDABUDDABUDDA SCREEEEEEEEECH. "story? why do we need a story??" EXPLOSIONS, MORE EXPLOSIONS, BIGGER EXPLOSIONS. BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM "i make movies for 12 year olds, dumb 12 year olds who will die in wars we don't need" SWISH SWISH TRANSFORM TRANbadcutSFORM MORPH MORPH BOObadcutOM BOOOOM BOOOOM "i'm angry AAAANGRYYYYYYY! RAAAAHRG" bla blaBAAAAANG DRIVE DRIVE FLYYYYYYYY BUWAAAAAAAAGAAAAH "let's move planets, enslave people" WHEEEEEEEE! bad cut another bad cut and another bad cut and WHAT THE FUCK IS GOING ON????? RHAAAAAAAAAAAAAAAAA CRASH BOOOOOOM BOOM BANG AND MORE CGI STILL NOT ENOUGH, MORE CGI MORE MORE MORE MORE BUWAHAHAHAHA CGI CGIIIIII WHEEEEEEbadcutEEEEEEE cutcutcutcutcutcut 3D-EFFECT JUST TO SHOW THAT IT'S 3D SUNFLARE=WORST 3D EVER "who cares???" BUDDABUDDABUDDA RHAAAAARGHL BLÖLLLLLAKKKKEEEEPHAAAAAAAAAAA "oh look, another catastrophy made it into the film" FAKECHALLENGEREXPLOSION dead dead dead NOOOO live live live CRAAAAAAAAAASH BOOOOOOOOOOOOOOOOOOM BAAAAAAAANG
happyend
worst film 2011.

Mittwoch, 8. Juni 2011

FLEET FOXES im HMV Hammersmith Apollo, London (31. Mai 2011)

Das Auditorium war schon brechend gefüllt und von THE BEES gut gelaunt, als das Licht gedimmt und 6 schüchtern wirkende Männer auf die Bühne stolperten. Ein kurzes Lächeln, Winken und Halloen später stimmten sie den ersten Song an. Stimmungsvoll, vielschichtig und von wechselnder Dynamik. Schon hier war klar, dass Pogo-Tanzen fehl am Platz wäre. Doch die Zuschauer wussten dies und klebten an den Lippen des mehrstimmigen Gesangkörpers. Nach einer gefühlten Ewigkeit von drei Songs hatte sich der Mischer auch langsam auf die Band eingestellt, so dass die anfänglich viel zu brachial gemischte Soundsuppe langsam einer Leichtigkeit wich, welche die filigranen Stellen der einzelnen Songs auch zum Klingen brachten. Und dies zahlte sich aus. Endlich konnte sich der Abend entwickeln in Richtung süsser Melancholie und stiller Euphorie. Langsam gewöhnten sich auch die Körper der Zuschauer an die Langsamkeit und der darin enthaltenen Schönheit der Songs. Die eher an Schamanismus erinnernden Trommeleinsätze wirkten auch langsam auf das kollektive Bewusstsein und ich kam aus dem Gefühl nicht raus, dass das Publikum im Zeichen des Beats atmete. Nur so lässt sich erklären, dass diese anhaltende Ruhe innerhalb des ausverkauften Apollo, welche sich übereuphorisch jeweils eine Sekunde nach dem Ausklingen des letzten Tones entlied bis zum Ende des Abends erhalten wurde. Magisch war auch der Moment bei THE SHRINE / AN ARGUMENT, wo ein einfacher Lichteffekt den hippiesken Reigen auf eine neue Ebene hievte und die Band mit dem Publikum und dem Kosmos verschmolzen. Nur für einen Moment, doch dieser Moment war einer für die Ewigkeit.

Ich muss hier selbstschützend erwähnen, dass ich keinerlei halluzinogener Substanzen eingeworfen oder geraucht hatte. Wer dies jedoch gerne tut, dem kann ich ein FLEET FOXES-Konzert ans Herzen legen. Mir spielten sie sich direkt ins Herz, geschürt durch die zurückhaltend Sympathie der Protagonisten. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich wunderten, dass ihre paar Lieder so gute Resonanz auslösten.

Wer die FLEET FOXES noch nicht kennt, dem sei mit MYKONOS ein Anspieltipp gegeben. Weiteres zur Band hier:
http://www.lastfm.de/music/Fleet+Foxes