Das Auditorium war schon brechend gefüllt und von THE BEES gut gelaunt, als das Licht gedimmt und 6 schüchtern wirkende Männer auf die Bühne stolperten. Ein kurzes Lächeln, Winken und Halloen später stimmten sie den ersten Song an. Stimmungsvoll, vielschichtig und von wechselnder Dynamik. Schon hier war klar, dass Pogo-Tanzen fehl am Platz wäre. Doch die Zuschauer wussten dies und klebten an den Lippen des mehrstimmigen Gesangkörpers. Nach einer gefühlten Ewigkeit von drei Songs hatte sich der Mischer auch langsam auf die Band eingestellt, so dass die anfänglich viel zu brachial gemischte Soundsuppe langsam einer Leichtigkeit wich, welche die filigranen Stellen der einzelnen Songs auch zum Klingen brachten. Und dies zahlte sich aus. Endlich konnte sich der Abend entwickeln in Richtung süsser Melancholie und stiller Euphorie. Langsam gewöhnten sich auch die Körper der Zuschauer an die Langsamkeit und der darin enthaltenen Schönheit der Songs. Die eher an Schamanismus erinnernden Trommeleinsätze wirkten auch langsam auf das kollektive Bewusstsein und ich kam aus dem Gefühl nicht raus, dass das Publikum im Zeichen des Beats atmete. Nur so lässt sich erklären, dass diese anhaltende Ruhe innerhalb des ausverkauften Apollo, welche sich übereuphorisch jeweils eine Sekunde nach dem Ausklingen des letzten Tones entlied bis zum Ende des Abends erhalten wurde. Magisch war auch der Moment bei THE SHRINE / AN ARGUMENT, wo ein einfacher Lichteffekt den hippiesken Reigen auf eine neue Ebene hievte und die Band mit dem Publikum und dem Kosmos verschmolzen. Nur für einen Moment, doch dieser Moment war einer für die Ewigkeit.
Ich muss hier selbstschützend erwähnen, dass ich keinerlei halluzinogener Substanzen eingeworfen oder geraucht hatte. Wer dies jedoch gerne tut, dem kann ich ein FLEET FOXES-Konzert ans Herzen legen. Mir spielten sie sich direkt ins Herz, geschürt durch die zurückhaltend Sympathie der Protagonisten. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich wunderten, dass ihre paar Lieder so gute Resonanz auslösten.
Wer die FLEET FOXES noch nicht kennt, dem sei mit MYKONOS ein Anspieltipp gegeben. Weiteres zur Band hier:
http://www.lastfm.de/music/Fleet+Foxes
Mittwoch, 8. Juni 2011
Dienstag, 17. Mai 2011
THOR und das MARVEL UNIVERSUM
Innerhalb der Film-Erzählstrukturen gibt es langsam aber sicher einen Shift. Sinkende Ticketsales und starken TV-Serien sei Dank. THOR ist ein wunderbares Beispiel dafür.
Seit dem ersten X-MEN-Film gab es zu jedem halb- bis ganzerfolgreichen Superhelden ein Projekt. Das Marvel-Universum war langsam am Entstehen. Doch noch niemand wusste genau, was damit anzufangen. Ang Lee drehte einen künstlerisch anspruchsvollen HULK, Sam Raimi einen poppigbunten SPIDERMAN, FANASTIC FOUR und DAREDEVIL wurden mehr schlecht als recht umgesetzt. Doch das hartnäckigste Gerücht war eine filmische Umsetzung der AVENGERS. DAS Marvel Super-Team schlichthin: CAPTAIN AMERICA, IRON MAN, THOR, HULK, WASP, GIANT MAN, teilweise SPIDERMAN und WOLVERINE... Sie alle und noch viel mehr waren regelmässige Vorbeischauer innerhalb des Comicuniversums. Als kurze Erklärung: Stan Lee, der Erschaffer der meisten alteingesessenen Marvel-Helden, ist erklärter New York-Liebhaber. Also siedelte er die meisten seiner Superhelden auch in der Stadt seines Vertrauens an. Dies führte dazu, dass sich die verschiedenen Helden auch ständig über den Weg liefen. Im vorigen Filmuniversum war dies nicht möglich, da die einzelnen Helden von verschiedenen Firmen vermarktet wurden, so dass es real-weltig ein mühseliger Prozess wurde, sollte SPIDERMAN kurzfristig am Fenster des Baxter Building vorbeischwingen. Dies führte dazu, dass die einzelnen Universen in sich geschlossen waren. Und dies schob einem AVENGER-Film einen Riegel.
MARVEL hingegen rechnete durch und machten den wichtigsten Schritt ihrer Film-Karriere: sie gründeten ein Filmstudio. Langsam erwarben sie alle Lizenzen zurück und schockten die Filmwelt mit einem grandiosen IRON MAN. Dieser diente vom Pacing und von der Welt her auch als Blueprint für die weiteren Filme. HULK war nächstes Ziel, danach WOLVERINE. Und überall wurden Samen gesetzt, Hinweise auf zukünftige Filme innerhalb ihres Film-Universum. Fans überschlugen sich vor Freude. Und dann der erste Auftritt von NICK FURY, dem Leiter von SHIELD, einer Organisation welche innerhalb des Marvel-Comic-Universum die Fäden in der Hand hielt. Samuel L. Jackson, welche der Figur Leben einhaucht hat auch bei Marvel für ein gutes Dutzend Filme unterschrieben. Viele seiner Auftritte blieben unbemerkt, da sie in einer Secret-Scene am Ende des Abspannes liefen. Nun mit THOR und später im Jahr CAPTAIN AMERICA kommen zwei Filme ins Kino, welche ganz klar den Grundstein legen für AVENGERS. Dieser ist auch auf 2012 angekündigt.
THOR
Die Filmwelt runzelte verwundert die Stirn, als der grosse Shakespeare-Liebhaber Kenneth Brannagh als Regisseur für THOR vorgestellt wurde. Doch gerade für THOR war dies eine Idealbesetzung. Denn wie wenige zweite versteht Kenneth die Balance innerhalb eines trashig anmutenden Konzeptes. Pathos, Comedy und Action geben sich die Hand. Eine feine Romanze und Charakter-Aufbau würzen nach. Auch der Cast kann sich sehen lassen. Von bekannten Persönlichkeiten wie Natalie Portman, Stellan Skarsgard und Anthony Hopkins, bis zur weniger bekannten Hauptfigur Chris Hemsworth. Und dieser All-Star macht im Film dick auf sich aufmerksam. Entstanden ist ein feines Ensemble-Piece geführt von starker Hand. Den Emotionen wurde in starken Szenen Nachdruck verliehen, ohne ein Shout-Fest zu werden, subtile Einstellungen bekräftigen die Gefühlswelten der Figuren und als Sahnehäubchen gibts ein unglaubliches Set nach dem anderen. Alles in allem pure Unterhaltung. Der obligate 3D-Effekt ist nie störend aber auch knapp an einem überflüssig vorbei. Einige Sequenzen profitieren von der erweiterten Dimension, das meiste funktioniert aber auch ohne.
AVENGERS kann kommen!!!
Seit dem ersten X-MEN-Film gab es zu jedem halb- bis ganzerfolgreichen Superhelden ein Projekt. Das Marvel-Universum war langsam am Entstehen. Doch noch niemand wusste genau, was damit anzufangen. Ang Lee drehte einen künstlerisch anspruchsvollen HULK, Sam Raimi einen poppigbunten SPIDERMAN, FANASTIC FOUR und DAREDEVIL wurden mehr schlecht als recht umgesetzt. Doch das hartnäckigste Gerücht war eine filmische Umsetzung der AVENGERS. DAS Marvel Super-Team schlichthin: CAPTAIN AMERICA, IRON MAN, THOR, HULK, WASP, GIANT MAN, teilweise SPIDERMAN und WOLVERINE... Sie alle und noch viel mehr waren regelmässige Vorbeischauer innerhalb des Comicuniversums. Als kurze Erklärung: Stan Lee, der Erschaffer der meisten alteingesessenen Marvel-Helden, ist erklärter New York-Liebhaber. Also siedelte er die meisten seiner Superhelden auch in der Stadt seines Vertrauens an. Dies führte dazu, dass sich die verschiedenen Helden auch ständig über den Weg liefen. Im vorigen Filmuniversum war dies nicht möglich, da die einzelnen Helden von verschiedenen Firmen vermarktet wurden, so dass es real-weltig ein mühseliger Prozess wurde, sollte SPIDERMAN kurzfristig am Fenster des Baxter Building vorbeischwingen. Dies führte dazu, dass die einzelnen Universen in sich geschlossen waren. Und dies schob einem AVENGER-Film einen Riegel.
MARVEL hingegen rechnete durch und machten den wichtigsten Schritt ihrer Film-Karriere: sie gründeten ein Filmstudio. Langsam erwarben sie alle Lizenzen zurück und schockten die Filmwelt mit einem grandiosen IRON MAN. Dieser diente vom Pacing und von der Welt her auch als Blueprint für die weiteren Filme. HULK war nächstes Ziel, danach WOLVERINE. Und überall wurden Samen gesetzt, Hinweise auf zukünftige Filme innerhalb ihres Film-Universum. Fans überschlugen sich vor Freude. Und dann der erste Auftritt von NICK FURY, dem Leiter von SHIELD, einer Organisation welche innerhalb des Marvel-Comic-Universum die Fäden in der Hand hielt. Samuel L. Jackson, welche der Figur Leben einhaucht hat auch bei Marvel für ein gutes Dutzend Filme unterschrieben. Viele seiner Auftritte blieben unbemerkt, da sie in einer Secret-Scene am Ende des Abspannes liefen. Nun mit THOR und später im Jahr CAPTAIN AMERICA kommen zwei Filme ins Kino, welche ganz klar den Grundstein legen für AVENGERS. Dieser ist auch auf 2012 angekündigt.
THOR
Die Filmwelt runzelte verwundert die Stirn, als der grosse Shakespeare-Liebhaber Kenneth Brannagh als Regisseur für THOR vorgestellt wurde. Doch gerade für THOR war dies eine Idealbesetzung. Denn wie wenige zweite versteht Kenneth die Balance innerhalb eines trashig anmutenden Konzeptes. Pathos, Comedy und Action geben sich die Hand. Eine feine Romanze und Charakter-Aufbau würzen nach. Auch der Cast kann sich sehen lassen. Von bekannten Persönlichkeiten wie Natalie Portman, Stellan Skarsgard und Anthony Hopkins, bis zur weniger bekannten Hauptfigur Chris Hemsworth. Und dieser All-Star macht im Film dick auf sich aufmerksam. Entstanden ist ein feines Ensemble-Piece geführt von starker Hand. Den Emotionen wurde in starken Szenen Nachdruck verliehen, ohne ein Shout-Fest zu werden, subtile Einstellungen bekräftigen die Gefühlswelten der Figuren und als Sahnehäubchen gibts ein unglaubliches Set nach dem anderen. Alles in allem pure Unterhaltung. Der obligate 3D-Effekt ist nie störend aber auch knapp an einem überflüssig vorbei. Einige Sequenzen profitieren von der erweiterten Dimension, das meiste funktioniert aber auch ohne.
AVENGERS kann kommen!!!
Sonntag, 8. Mai 2011
USAGUITAR
Was für Kleinjuwelen man durch eine gescheiterte Suche im App-Store findet zeigt dieser kleine süsse Musik-Buttonsmasher: USAGUITAR: PUNK GUITAR RABBIT SPIRIT. Das Spiel ist einfach erklärt. In Hasenkopfform gehaltene Figuren dienen als Popup-Buttons, welche im richtigen Moment gedrückt werden müssen. Erschwert wird dies durch die durchgeknallteste Animationsgrafik, welche den ganzen Gamescreen belebt. Protagonist: ein Gitarre spielendes Knuffelkaninchen. Zusätzlich erschwert wird es durch das eigene Lachen, bei welchem man immer wieder vergisst, was man eigentlich zu tun hat. Und der Superclou? Das Game ist gratis!!!!!
Wheeeeeeeeeeeeeeeeee!
Dienstag, 3. Mai 2011
DAFT PUNK: TRON Legacy R3conf1cur3d
Dass sich für den visuellen Elektrokracher Tron und dessen austrahlende 8-Bit-Coolness die versammelte Beat-Frickler die Finger wund lecken, um am Soundtrack irgendwie was zu machen war ja klar. DAFT PUNK erfreuten uns mit einem runtergekühlten Erzeugniss der Extraklasse. Wie ein gut gemixter Whiskey-Sour. Frisch, ehrlich und dennoch mit der 80er-typischen Cocktail-Kirsche.
Doch die Klinkenputzer wurden erhöhrt. Natürlich kommt nun ein --kerching-- Remix-Album um die Ecke. Es blinzelt auch hier der leicht verschoben wirkende Disney-Logo-Name vom Cover, welches in einer wunderschönen Lo-Fi-Optik daherkommt. Eher SCOTT PILGRIM statt TRON. Eigentlich schon mal sympathisch. Mit ein wenig Skepsis wird nun die Künstlerliste gelesen: MOBY, OAKENFOLD, CRYSTAL METHOD... eher cheesy. TEDDYBEARS, GLITCH MOB und BOYS NOIZE sind dann eher Namen, welche man in einer solchen Liste gerne liest.
Die Ernüchterung folgt auf Fuss. Richtig schlecht ist keiner der Remixe. Richtig Wow leider auch keiner. DAFT PUNK wussten mit einer elegantkühlen Eleganz, einer empathischen Annäherung an das Orginal zu überzeugen. Gekonnter Spannungsaufbau, welcher auch ohne Bilder durchaus Sinn machte. Natürlich. Die einzelnen Tracks mussten im Kino überzeugen. Diese hier nun eher im Club oder in einem aufgetunten Auto. Doch die grosse Zeit von ehemaligen Grössen wie OAKENFOLD oder den CRYSTALS ist definitiv vorbei. Inklusive der Grossanlass-Stadion-Allüren, welche bei vielen Tracks beschworen wird. Und genau aus diesem Grund wirkt dieser Aufguss eher als Marketingskonzept. Nicht vergessen. Ist ja immer noch Disney. Multi-Konglomerat mit einer funktionierenden Musikabteilung. Wollen wie vielleicht ehemaligen Schützenkollegen zu ein paar frischen Downloads verhelfen? Oder soll das wirklich für die Fans sein? Ich weiss nicht.
Schlussendlich bleibt es eine Geschmacksfrage. Ich werd mich an das Original halten und die klaren Strukturen der Bumm-Bumm-Mechanik vorziehen. Oder vielleicht ein paar neue Songs von GLITCH MOB downloaden...
Wie der Original-Soundtrack und der Film auf WASTE THE LIGHT abschneiden? Follow the keyword TRON.
Wie der Original-Soundtrack und der Film auf WASTE THE LIGHT abschneiden? Follow the keyword TRON.
Mittwoch, 27. April 2011
MONSTERS // SKYLINE
Da wartet man eeeewig auf überdimensionerte Alien-Monster und dann kommen sie im Rudel auf Blueray und DVD dahergetrottet. Dass es sich dabei nicht um eine typische schlechtere Dreamworks-Variation eines bekannten Filmes handelt, ist der Verdienst von Gareth Edwards poetischer Meta-Vision. Erstmals zu Skyline: Austauschbare Figuren, Genre-Plot, grade noch passables Drehbuch, Effekte nicht von schlechtesten Eltern und grundsätzlich unterhaltsam.
So, nun zum eigentlichen Thema. Wie schon der sensationelle CLOVERFIELD und der recht gut gelungene DISTRICT 9 spielt auch MONSTERS mit der Realität. Einfach gefilmt mit kleinem Team wird eine Zukunftsvision beschwört, welche mit dem Wiederkennungswert dem Publikum Bekanntes vorgaukelt angereichert durch fremdartige Einflüsse. Diese sind in diesen Film-Fällen Aliens, durch den Realitätsfilter werden aus diesen jedoch World-Trade Terroristen, Apartheit-Problemfälle oder mexikanische Immigranten. Dass sich ernstzunehmender Science-Fiction an aktuellen Themen vergreift und diese durch eine zukünftige Vision dem heutigen Zuschauern aus einem anderen Blickwinkel aufbereitet ist bekanntes Konzept und sollte grundsätzlich der Anspruch eines jeden Filmemachers sein. Das dies nicht immer so ist, siehe oben.
Doch auch in diesem Sinne weiss MONSTERS zu überraschen. Gegenüber den anderen genannten Filmen kommt dieser Film äusserst unspektakulär daher. Die einzelnen Elemente der Verfremdung sind so spärlich gesetzt und teilweise so subtil, dass sich dieses leise Grauen durch den ganzen Film zieht. Wenn die Monster dann zu sehen sind und ihre Schemenhaftigkeit ablegen sind schon etliche Filmminuten verstrichen. Und auch später stellt sich die offensichtliche Frage, wer wirklich die Monster sind. Getragen wird der Film von der Beziehung der beiden Protagonisten. Statt Kitsch-Sentimentalitäten und Pathos-Sumpf wird ein äusserst realistisches emotionales Bild einer Bekanntschaft aufgezeigt, welche sich im Verlauf des Filmes entwickelt. Dass sich die Einlösung der aufkeimenden Gefühle mit dem Verhalten der Monster in einem der herzergreifendsten Showdown der Monsterfilmgeschichte spiegelt, zeigt den scharfen Blick und Empathie des Filmemachers. Dass dieser Low-Budget Film mit USD 50'000.00 ausgekommen ist, macht ihn noch zu einem spezielleren Kleinod, als er schon ist. Ein äusserst sehenswertes Schmuckstück. Nicht nur für Monsterfreaks.
So, nun zum eigentlichen Thema. Wie schon der sensationelle CLOVERFIELD und der recht gut gelungene DISTRICT 9 spielt auch MONSTERS mit der Realität. Einfach gefilmt mit kleinem Team wird eine Zukunftsvision beschwört, welche mit dem Wiederkennungswert dem Publikum Bekanntes vorgaukelt angereichert durch fremdartige Einflüsse. Diese sind in diesen Film-Fällen Aliens, durch den Realitätsfilter werden aus diesen jedoch World-Trade Terroristen, Apartheit-Problemfälle oder mexikanische Immigranten. Dass sich ernstzunehmender Science-Fiction an aktuellen Themen vergreift und diese durch eine zukünftige Vision dem heutigen Zuschauern aus einem anderen Blickwinkel aufbereitet ist bekanntes Konzept und sollte grundsätzlich der Anspruch eines jeden Filmemachers sein. Das dies nicht immer so ist, siehe oben.
Doch auch in diesem Sinne weiss MONSTERS zu überraschen. Gegenüber den anderen genannten Filmen kommt dieser Film äusserst unspektakulär daher. Die einzelnen Elemente der Verfremdung sind so spärlich gesetzt und teilweise so subtil, dass sich dieses leise Grauen durch den ganzen Film zieht. Wenn die Monster dann zu sehen sind und ihre Schemenhaftigkeit ablegen sind schon etliche Filmminuten verstrichen. Und auch später stellt sich die offensichtliche Frage, wer wirklich die Monster sind. Getragen wird der Film von der Beziehung der beiden Protagonisten. Statt Kitsch-Sentimentalitäten und Pathos-Sumpf wird ein äusserst realistisches emotionales Bild einer Bekanntschaft aufgezeigt, welche sich im Verlauf des Filmes entwickelt. Dass sich die Einlösung der aufkeimenden Gefühle mit dem Verhalten der Monster in einem der herzergreifendsten Showdown der Monsterfilmgeschichte spiegelt, zeigt den scharfen Blick und Empathie des Filmemachers. Dass dieser Low-Budget Film mit USD 50'000.00 ausgekommen ist, macht ihn noch zu einem spezielleren Kleinod, als er schon ist. Ein äusserst sehenswertes Schmuckstück. Nicht nur für Monsterfreaks.
Dienstag, 19. April 2011
PARSIFAL
Die hohe Kunst der Darstellung des Seins
Der junge Regisseur Benedikt von Peter hat sich in Basel an das grosse Biest der deutschen Opernkunst gewagt: Wagners aufgeladene Lebensphilosophie PARSIFAL. Von Peter wusste mit LES DIALOGUES DES CARMELITES im Vorfeld mit einer dichten Version zu überzeugen. Die Vorfreude war deshalb gross und geknüpft mit der Frage, wie sich die Intellektualität und Emotionalität bei Wagner niederschlagen würden, dient PARSIFAL ja als interpretationsfreudiges Werk. Und interpretiert wird eine Menge...
Die emotionale Sinnlichkeit der Musik dient als Rückgrat der Inszenierung. Konsequenterweise verzichtet die Regie somit auf Sinnlichkeit innerhalb der optischen Präsentation. Eine fast leere Bühne ist ein gewagtes Konzept für einen mehrstündigen Abend. Dafür werden wir weggeblasen ob der darstellerischen Kraft der Sänger/Figuren. Es gibt keine Möglichkeit, nicht hinzusehen. Auf der Bühne wird gelitten, wir leiden mit und sehnen uns nach der Erlösung.
Inhaltlich ist die Handlung aus dem Gerüst der Mythologie weitgehend weggelöst. Die schon sehr aufgeladenen Symbole des Grals und des Speers werden in weiteren Lesemöglichkeiten getränkt und bleiben unfassbar. Als Zuschauer ist man gezwungen, sich mehr mit den Figuren auseinanderzusetzen. Die Frage, was die Inszenierung mit sich selbst als Zuschauer und mit dem Abbild der Menschheit zu tun hat ist allgegenwertig. Dies wird als Bild geschürt durch den Chor als Abbild der menschlichen Identität, welcher der Gralsenthüllung in Strassenkleidern beiwohnt und diesem Akt das Heilige nimmt. Somit rückt Amfortas als Wunscherlöser in den Mittelpunkt der Inszenierung. Er leidet unter dem Gral, er leidet an dem Verlust des Speeres, er leidet an der Weiblichkeit von Kundry, er leidet an der Wunde, die Klingsor ihm schlug. Und dieses Leiden wird gedoppelt mit der Figur des Erschaffers, der Figur eines gewarpten Wagners, welcher sich in die geschriebene Oper spiegelt. „Denn im Kunstwerk werden wir eins sein...“ Dieser Satz begleitet uns als Projektion durch den Abend. Und auch hier schlägt die Konsequenz von Peters zu. Die Zwillingsmetapher des gespiegelten Ichs zieht sich als Bild durch die Inszenierung. Wagners Zwilling ist Amfortas. Dessen Beziehung mit Kundry dient als Katalysator der Handlung, Parsifal als reiner Deus Ex Machina. Parsifal, der reine Tor, als Spielball einer emanzipierten Weiblichkeit und einer reflektierten Männlichkeit, kindlich gefangen durch das Wunder der Liebe und der forcierten Erlösung. Diese Erlösung kann nur im Unglück enden. Parsifal kann die Beziehung, die Motivation zwar nachvollziehen, doch für das Verständnis fehlt ihm der Blick fürs Ganze.
Dies sind nur einige Aspekte der Inszenierung, welche tiefschürfende Diskussionen zulässt und fördert. Denn der Abend ist eine Tour de Force. Nicht nur für die Darsteller, sondern auch für die Zuschauer. Wenn man sich selber aus der Gleichung raushält, bleibt das Resultat eher ernüchternd. Bringt man sich ein, mit Selbstreflexion über das Gesehene, verlässt man den Zuschauerraum geläutert. Man hat mit den Figuren einiges durchgemacht und fühlt mit. Und dieses Gefühl verfolgt noch tage-, wenn nicht wochenlang. Und genau das soll Kultur in seiner reinen Form bewirken.
Ein Hoch auf das Theater Basel für diesen mutigen, bewegenden Abend!
Dienstag, 29. März 2011
RADIOHEAD // JAMIE XX // JAMES BLAKE
In der Musikwelt finden sich im Moment verschiedene Entwürfe zum Thema Verdichtung. Wo bei JAMES BLAKE die Stille als weiteres Instrument genutzt wird und er so die Dub-Landschaft mit einer Neuinterpretation eines souligen Trip-Hops bereichert, holpert sich JAMIE XX mit seinen schiefen House-Beat-Bearbeitungen von Chart-Hits in unsere Herzen. Die Altmeister RADIOHEAD ihrerseits winken seit längerem in unregelmässigen Abständen aus ihrem Studio in die euphorische Musikgemeinde. Die Klangexperimente von Thom Yorke und Jonny Greenwood, weitab von jeglichen Konventionen und dennoch vertraut finden im Körper der Band einen Platz, sich zu entfalten. Alle drei gehören zu den wichtigen Vertretern einer eklektischen Elektronik.
Der spannende Unterschied liegt jedoch in der Verdichtung und wie die drei Parteien diese in ihrem Bereich angehen.
JAMES BLAKE:
Als Beispiel dient die Hymne LIMIT TO YOUR LOVE. Die Präzision und die Länge der Pausen, das mit sanfter Explosion aufbegehrende Piano und der wummernde Bassteppich sind neben der Stimme die wichtigsten Elemente innerhalb des Songs. Die Verwebung dieser zur ultimativen Erlösung im letzten Teil, wo mit dem langsamen Beat die einzelnen Stränge zusammenfinden, der Beat zu schlingern beginnt bis zur Destruktion. In der Bridge bleibt in der Stille die Stimme, verzerrt und in mehreren Schichten sich überlagernd.
Die Verdichtung geschieht hier innerhalb der Pausen. Die Aneinanderreihung der überschaubaren Elemente ergeben das ganze Bild und die sich verschiebenden Übereinanderlegungen lassen unsere Wahrnehmung schlingern. Die Moll-Äesthätik - auch bei JAMIE XX und RADIOHEAD wichtiges Stilmittel - unterstützt die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Stille und Geborgenheit.
RADIOHEAD:
Gegenüber von JAMES BLAKE, welcher mit einer technisierten Stimme daherkommt, finden die Verfremdungen bei RADIOHEAD auf analogem Weg statt. Die Beats rumpeln durch abgeglichene Sequencer und Spur wird über Spur gelagert. Das neue Album KING OF LIMBS ist eine logische Weiterführung von IN RAINBOWS. Beides Alben einer Band, die sich niemandem mehr erklären muss. Wem die Gitarrenwände aus der Anfangszeit fehlen, soll sich bitte an die alten Alben halten. Doch grundsätzlich hat sich im Blickpunkt der Verdichtung nicht viel zur Anfangszeit geändert. RADIOHEAD verstanden es schon in ihrer Anfangszeit, drei Gitarren bewusst und flächendeckend einzusetzen. Die emotionale Weite dieser Technik, das laute Verlangen nach Raum unterscheidet sich vom heutigen ins Besondere vom Instrumente-Katalog. Gitarren sind immer noch da. Doch vor allem als melodiöse Ankerpunkte im musikalischen Ozean der Frickelbeats. Es wird immer wie schwieriger, genau zu bestimmen, wer genau welche Rollen innerhalb eines Songs erfüllt. Die klassische Bandstruktur wird aufgehoben zu Gunsten eines gemeinsamen Schaffen von musikalischen Räumen, welche so dicht aufgebaut sind, dass die Ursprungsklänge zu einem neuen Ganzen mutieren. Der Faszination dieser verdichteten Klangwelten kann man sich als Musikliebhaber kaum entziehen. Die Dichte ist so fassbar, dass auch das leicht unspektakulärere KING OF LIMBS im Vergleich zu anderen Bands immer noch ein Kunstwerk sondergleichen ist.
JAMIE XX:
Als Beispiel dient hier der Remix zu ADELE: ROLLING IN THE DEEP. Schon das Original ist einer der besseren Songs der momentanen Radio-Playlisten. Doch der Remix von JAMIE XX ist ein eigenes Biest. Und was für eines. Auch hier findet eine Verdichtung statt, welche auf die heutigen technischen Möglichkeiten aufbaut. Es beginnt schon mit der Verfremdung der Stimme. Die Eier von JAMIE XX, die neu-ikonische Stimme von Adele zu verändern und per Autotune einige Oktaven runterzupitchen sind bemerkenswert. Innerhalb inflationärer Autotunig-Dudeleien dient es hier dem Remix und die Verfremdung, die Überraschung, wie auch die Fehler werden offen gelegt. Schon zu Beginn, bei der Reduktion auf die Singstimme und harten MPC-Schlägen, welche klar digitalen Ursprung haben doch von Hand, leicht schief eingegeben sind. Dieses Schlingern zieht sich durch den Track und dient in diesem Fall genau zur Verdichtung. Wären es keine Loops, würde die ganze Chose nach einigen Minuten gründlich aus dem Takt kippen. Die Willkür eines unperfekten Loops und die scheinbare Zufälligkeit der Effekte dienen der Grunddynamik der Songstruktur. Auch hier können, ähnlich wie bei JAMES BLAKE, die einzelnen Spuren noch klar zugeordnet werden, doch reduziert sich hier die Auswahl nicht auf eine Palette sondern einen ganzen Malkasten. Einzelne Effekte werden nur einmalig eingesetzt, so dass man sich bei jedem Wiederhören auf einzelne Passagen freut. Einziges Problem dabei ist die Länge des Tracks. 20 sek weniger wären noch mehr gewesen. Doch dies als einziges Zugeständnis an die DJs, welche somit auch Zeit haben, dem Remix mit einem Übergang ihren Stempel aufdrücken zu können.
Das Analoge liegt in der Stille, in den Fehlern und im Gedanken einer Band. Und genau dieses Analoge dient der Verdichtung innerhalb der Elektronik. Die letzten Jahre Minimal haben ihre Spuren hinterlassen genau so wie die grundsätzliche Party-Fröhlichkeit der Kitsune-Elektronik. RADIOHEAD, JAMIE XX und JAMES BLAKE schrauben erfolgreich an Gegenentwürfen.
Der spannende Unterschied liegt jedoch in der Verdichtung und wie die drei Parteien diese in ihrem Bereich angehen.
JAMES BLAKE:
Als Beispiel dient die Hymne LIMIT TO YOUR LOVE. Die Präzision und die Länge der Pausen, das mit sanfter Explosion aufbegehrende Piano und der wummernde Bassteppich sind neben der Stimme die wichtigsten Elemente innerhalb des Songs. Die Verwebung dieser zur ultimativen Erlösung im letzten Teil, wo mit dem langsamen Beat die einzelnen Stränge zusammenfinden, der Beat zu schlingern beginnt bis zur Destruktion. In der Bridge bleibt in der Stille die Stimme, verzerrt und in mehreren Schichten sich überlagernd.
Die Verdichtung geschieht hier innerhalb der Pausen. Die Aneinanderreihung der überschaubaren Elemente ergeben das ganze Bild und die sich verschiebenden Übereinanderlegungen lassen unsere Wahrnehmung schlingern. Die Moll-Äesthätik - auch bei JAMIE XX und RADIOHEAD wichtiges Stilmittel - unterstützt die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Stille und Geborgenheit.
RADIOHEAD:
Gegenüber von JAMES BLAKE, welcher mit einer technisierten Stimme daherkommt, finden die Verfremdungen bei RADIOHEAD auf analogem Weg statt. Die Beats rumpeln durch abgeglichene Sequencer und Spur wird über Spur gelagert. Das neue Album KING OF LIMBS ist eine logische Weiterführung von IN RAINBOWS. Beides Alben einer Band, die sich niemandem mehr erklären muss. Wem die Gitarrenwände aus der Anfangszeit fehlen, soll sich bitte an die alten Alben halten. Doch grundsätzlich hat sich im Blickpunkt der Verdichtung nicht viel zur Anfangszeit geändert. RADIOHEAD verstanden es schon in ihrer Anfangszeit, drei Gitarren bewusst und flächendeckend einzusetzen. Die emotionale Weite dieser Technik, das laute Verlangen nach Raum unterscheidet sich vom heutigen ins Besondere vom Instrumente-Katalog. Gitarren sind immer noch da. Doch vor allem als melodiöse Ankerpunkte im musikalischen Ozean der Frickelbeats. Es wird immer wie schwieriger, genau zu bestimmen, wer genau welche Rollen innerhalb eines Songs erfüllt. Die klassische Bandstruktur wird aufgehoben zu Gunsten eines gemeinsamen Schaffen von musikalischen Räumen, welche so dicht aufgebaut sind, dass die Ursprungsklänge zu einem neuen Ganzen mutieren. Der Faszination dieser verdichteten Klangwelten kann man sich als Musikliebhaber kaum entziehen. Die Dichte ist so fassbar, dass auch das leicht unspektakulärere KING OF LIMBS im Vergleich zu anderen Bands immer noch ein Kunstwerk sondergleichen ist.
JAMIE XX:
Als Beispiel dient hier der Remix zu ADELE: ROLLING IN THE DEEP. Schon das Original ist einer der besseren Songs der momentanen Radio-Playlisten. Doch der Remix von JAMIE XX ist ein eigenes Biest. Und was für eines. Auch hier findet eine Verdichtung statt, welche auf die heutigen technischen Möglichkeiten aufbaut. Es beginnt schon mit der Verfremdung der Stimme. Die Eier von JAMIE XX, die neu-ikonische Stimme von Adele zu verändern und per Autotune einige Oktaven runterzupitchen sind bemerkenswert. Innerhalb inflationärer Autotunig-Dudeleien dient es hier dem Remix und die Verfremdung, die Überraschung, wie auch die Fehler werden offen gelegt. Schon zu Beginn, bei der Reduktion auf die Singstimme und harten MPC-Schlägen, welche klar digitalen Ursprung haben doch von Hand, leicht schief eingegeben sind. Dieses Schlingern zieht sich durch den Track und dient in diesem Fall genau zur Verdichtung. Wären es keine Loops, würde die ganze Chose nach einigen Minuten gründlich aus dem Takt kippen. Die Willkür eines unperfekten Loops und die scheinbare Zufälligkeit der Effekte dienen der Grunddynamik der Songstruktur. Auch hier können, ähnlich wie bei JAMES BLAKE, die einzelnen Spuren noch klar zugeordnet werden, doch reduziert sich hier die Auswahl nicht auf eine Palette sondern einen ganzen Malkasten. Einzelne Effekte werden nur einmalig eingesetzt, so dass man sich bei jedem Wiederhören auf einzelne Passagen freut. Einziges Problem dabei ist die Länge des Tracks. 20 sek weniger wären noch mehr gewesen. Doch dies als einziges Zugeständnis an die DJs, welche somit auch Zeit haben, dem Remix mit einem Übergang ihren Stempel aufdrücken zu können.
Das Analoge liegt in der Stille, in den Fehlern und im Gedanken einer Band. Und genau dieses Analoge dient der Verdichtung innerhalb der Elektronik. Die letzten Jahre Minimal haben ihre Spuren hinterlassen genau so wie die grundsätzliche Party-Fröhlichkeit der Kitsune-Elektronik. RADIOHEAD, JAMIE XX und JAMES BLAKE schrauben erfolgreich an Gegenentwürfen.
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