Freitag, 13. September 2013

BATMAN - MAN OF STEEL 2 mit Ben Affleck

Die News, dass Ben Affleck den Part von Bruce Wayne/Batman übernehmen wird, löste einen der grössten Shitstorms der jüngsten Popkultur-Vergangenheit aus. Warum? Eine Mischung von typischer Fanboyhaltung-Wunschvorstellung mit tiefer Frustrationstoleranz gepaart mit einer guten Dosis Gartenhag-Denken. Christian Bale war für sehr viele eine Traumbesetzung. Innerhalb des Kosmos der letzten drei Filme funktionierte seine Figur als gute Schablone für den ewigen Kampf um seine Seele, vernarbt durch den tragischen Tod seiner Eltern. Persönlich konnte ich der letzten Trilogie nicht so viel abgewinnen. Für mich funktionierten sie als gefilmte Antwort der Elseworld-Serien. Dies waren bei DC Comics Mini-Serien oder Einzelausgaben, welche bekannte Helden in einem anderen Konzept erzählten, welche nicht direkt an das laufende serielle Universum angeschlossen war (zB. Batman als Pulp-Held). Vielmals als High Prestige Produkt für ein Publikum, welche mit der grundsätzlichen Ausrichtung nicht mehr warm wurden und vielmals ein wenig älter war, als der Teenie-Schnitt. Randbemerkung: Die Elseworld-Universen wurden später in den Universen-Kanon von DC importiert.

Nun gilt es, sich vom Nolanschen Konzept der letzten Filmtrilogie zu lösen. Marvel zeigt sehr eindrucksvoll, wie gut es funktioniert, einzelstehende Filme an den Schnittstellen zu verbinden und so ein Filmuniversum zu erschaffen, in welchem die Figuren jederzeit in einem anderen Film auftauchen könnten. Dies war bei Nolan nicht möglich. Eine Figur wie Superman, welcher in den Comics eine tiefe Freundschaft zu Batman pflegt, hätte das Filmuniversum der letzten Batman-Filme äusserst empfindlich gestört. 

GREEN LANTERN hätte ein Eckpfeiler des neu zu schaffenden DC-Universum werden sollen. Diese Option erübrigte sich nach dessen Misserfolg. Nun soll es MAN OF STEEL 2 richten. Es wird das erste filmische Zusammentreffen dieser ikonisch-platonischen Männerfreundschaft. Obwohl ich mich jetzt schon frage, wie die Zerstörungsorgie aus MAN OF STEEL zu toppen sein soll. Und wie Batman da reinpasst. Dass Christian Bale's Batman da nicht hingehört, sollte allen klar sein. Es braucht Frischfleisch: Ben Affleck. Okokok. Soooo frisch ist dieses Fleisch nun nicht und sein Superhelden-Überflop DAREDEVIL steckt auch mir noch in den Knochen. Doch lag dies nicht in erster Linie an Ben Affleck. Grässliche Regie, welche die Figur nicht begriff und dazu noch langweilige Umsetzung. Warum Ben Affleck. Nach dem Dilemma von einigen echten Schauspiel-Klogriffen hatte er sich wieder mit ARGO Oscar-bedingt ins Gedächtnis vieler katapultiert. Und es gibt schlechtere Schauspieler. Viel schlechtere. Und soooo toll war MAN OF STEEL nun auch nicht, dass Ben Affleck ihn als Batman zerstören könnte.

Ich kann mir Ben Affleck als Bruce Wayne sehr gut vorstellen. Als Batman? Kommt auf Regie und Ausrichtung an. Darf ich daran erinnern, dass die Bekanntgabe von Heath Ledger als Joker damals einen ähnlichen Entrüstungsschrei auslöste? Genau der Heath Ledger, dessen Performance nun so stark an diese gebunden ist, dass man meinen könne, er hätte nie was anderes gespielt. Ich bin da skeptischer ob der neuen Filmuniversums-Ausrichtung von DC. Na ja, wir werden sehen.

Mein Batman-Favorit? Clint Eastwood in einer Umsetzung des Graphic Novel Klassikers von Frank Miller.

In diesem Sinne: lasst die Fanboys bellen, denn ihr zahnloser Biss kommt nur von Herzen.


Donnerstag, 18. April 2013

IDOMENEO - Der Blick aufs Ganze liegt in den Details

Die letzte Opern-Sensation im Theater Basel liegt schon ein Weilchen zurück. Es gab zwar immer spannende Inszenierungen doch nun wird einem auf der Grossen Bühne endlich wieder mal mit einer unglaublichen Wucht den Boden unter den Füssen weggesprengt.

David Bösch ist in Basel gelandet, inkl. einem Hochseecontainer durchtriebener Ideen, philosophischen Lesemöglichkeiten und einem unglaublich packenden, sehr konsequenten Bühnenbild (Falko Herold, auch Kostüme und Video). Im Programm: Mozarts Meisterstück IDOMENEO. Wieder mal packt uns die griechische Sagenwelt mit Drama an der Gurgel um ganz sanft und liebevoll zuzudrücken.

Der Abend beginnt mit einem animierten Puppenfilm in dem als Trittbrett auf die Vorgeschichte eingegangen wird. Der erste Teil des ersten Aktes ist pure Exposition mit einer wörtlich-bildlichen Requisitenschlacht mit Liebesballonen und Herzgeschenken. Neben der Frage, ob dies nun wohl so weitergeht, bemerken wir nicht, dass diese Requisiten eigentlich spitze Nadeln sind, welche unsere Venen durchbohren um unser Zuschauerblut unbemerkt mit Subtext füllen. Die Requisiten sind zu bewusst offensichtlich gewählt. Was erst im zweiten Blick auffällt ist die Figurenzeichnung. Neben den sängerischen Leistungen leidet das Ensemble auf sehr hohem Niveau spielfreudig an ihren aussichtslosen Situationen. Mit der Darstellung von Neptun als Riesen-Pinata schraubt sich die Inszenierung dem ersten Höhepunkt entgegen. Und mit diesem, nach Kindergeburtstag riechenden Schlussbild, zeigen sich auch schon die ersten Interpretationsmöglichkeiten. Die Kindlichkeit der gebrauchten Requisiten steht im Bezug auf das überhöhte Drama der Relevanz nach Zugehörigkeit. Auch die Vehemenz, wie für bestimmte, nicht nachvollziehbare Aspekte Partei genommen wird unterstützt diesen Gedanken der Kindlichkeit.

Pause. Lust auf mehr.

Im zweiten Akt sind die Requisiten überschaubarer. Die meisten befinden sich im Koffer der sensationell agierenden Elettras (eine grossartige Simone Schneider), welche gekonnt von der genüssliche Bosartigkeit in eine ehrliche Verletztheit kippt. Der zweite Akt steht im Zeichen der Illustration. Die Tiefgründigkeit, in welcher die skizzenhaften Zeichnungen sanft zum Leben erweckt werden erinnert sehr stark an Ben Templesmith (unbedingt reinlesen FELL, geschrieben von Warren Ellis) und aus der Inszenierung wird plötzlich das Tor zu einer neuen Assozationskette aufgestossen. Die Figuren erinnern an den von Neil Gaiman erschaffenen Kosmos SANDMAN (bald als neue Hardcover-Version erhätlich!) Gaiman schaffte es in seinem Überepos gekonnt, literarische Fäden neu zu knüpfen und Verbindungen zwischen den verschiedenen Ebenen neu zu zeichnen. Bösch gelingt dies hier auch. Die Figuren werden aus ihren eigentlichen Rollen gelöst und agieren als Sinnbilder, in bester Kopfoper-Tradition. Dass sich Gaimans und Böschs Ebenen in der Figurenführung spiegeln liegt nicht nur an dem Burtonesquen Auftritt von Elettra. Spannend ist die Ungreifbarkeit, das Wechseln des Blickpunktes der einzelnen Figuren. Dies wird sich im dritten Akt einlösen. Zudem schafft es endlich ein Regisseur, das von Neptun gesandte Monster unbillig darzustellen. Kudos.

Pause. Inspiration pur.

Im dritten Akt öffnet sich leider die Darstellerschere. Elettra dominiert nach dem zweiten Akt weiter. Idamante (Solenn Lavant-Linke) und Ilia (Laurence Guillod) können ihr mit zärtlicher Verzweiflung grade noch das Wasser reichen. Abrace (Karl-Heinz Brandt) trumpft mit linkischen Tricks des alten Griesgramms auf, doch Idomeneos (Steve Davislim) hölzernes Spiel passt nie so richtig in die sonst sehr stimmige Inszenierung. Gesanglich zwar voll da, sind seine Aktionen mit der ewigen Kronenverweigerung jeweils zu klassisch als grosse Geste geführt. Bei den anderen Mitspielern nimmt die Tiefgründigkeit viel mehr Platz ein. Im dritten Akt fällt dies durch die Personenkonstellationen der gegebenen Arien erst richtig ins Gewicht. Man kann gespannt sein auf die Zweitbesetzung. Ensembemitglied Rolf Romei hat sich durch die Jahre als starker Darsteller gezeigt und dies lässt hoffen auf klarere Interpretationen am Ende der Inszenierung. Denn der Schluss hat es in sich. Bösch zieht nochmals alle Register und rüttelt uns im letzten Teil des dritten Aktes durch bis zum Schauer auf dem Rücken. Die Bilderflut der vorigen Akte verdichtet sich. Emotionale Assozationen schliessen Kreise. Opfer, Wahn, Hörigkeit, Ehre, Mitgefühl, Pathos und die allgegenwärtige Versprechung lassen die Figuren zu den Puppen werden, welche am Anfang im Film gesehn wurden. Bis sie aus ihren (fremd)bestimmten Rollen ausbrechen. Textgenaue Umdeutungen zeigen Blicke in Metaebenen innerhalb der Metaebenen. Mozart webt das ganze mit seiner Komposition zusammen.

Ende. Fasziniert, von Wucht gezeichnet.

Seit der mutigen philosophischen und bis zur Schmerzgrenze ästhetisierten Reduktion von Wagners Parsifal in der Saison 10/11 (http://wastethelight.blogspot.ch/2011/04/parsifal.html) ist dieser IDOMENEO endlich wieder eine Konzept-Oper, welche am anderen Ende des Spektrums funktionert: Bühnenzauber, Requisitenschlacht, fast schon zu viel Gerümpel auf der Bühne. Doch alles geschickt und mit viel Wissen geschichtet, gekonnt verköstigt, mit Verve abgeschmeckt und mit Elan serviert. Eigentlich wie die perfekte Thai-Suppe: durch die Vielzahl der frischen Zutaten ist jeder Bissen leicht anders und hält den Spannungsbogen bis zum Schüsselboden. Bei Idomeneo sieht man jedoch durch diesen Boden in eine andere Welt. Und die Abgründe dahinter.


Sonntag, 24. Februar 2013

OSCAR Liveposts 25. Februar 2013

Facebook kann jeder. Dies ist auch für später. :-)
Die Posts tröpfeln in gemächlichem Tempo rein. Viel Spass!

1:52
YEAH, Seth, Rock this shit!

2:00
noch 30 min...

2:05
Classy!
Adele, nachdem sie über das 15kg Gewicht ihres Auftrittskleides stöhnte:
"Barbara Streisand wore a 50 kilo dress... AND she danced!"

2:11
Um es nochmals klarzustellen! Es gibt meiner Meinung zwei grosse Gruppen im darstellenden Hollywood: Schauspieler und Moviestars. Für jeden Daniel Day-Lewis gibt es einen Harrison Ford. Genau gleich gibt es Künstler und Hollywood-Maschinisten. Für jeden Darron Aronofsky gibt es leider leider gleich mehrere Spielbergs, Brett Ratners und wie sie alle heissen...


2:19
Heeelp! Versace threw Svarovskis at Halle Berry and they're all over her...


2:24
OMG
Renée Zellweger sieht dürr aus. So dürr, dass ich sie nicht erkannt habe...


2:31
Seth! You DO rock!


2:36
Popkultur ahoi! Captain Kirk finally made it to the Oscars!


2:41
The Movie FLIGHT with Sockpuppets. Und ein sehr angestrengter Harry Potter.


2:49
Give it to Waltz!


2:50
Thank you, Cthulhu!!!


2:58
Paperman sieht nach einem Hochschulfilm aus. Ich akzeptiere die Kunst aber nicht das Stehenbleiben.
...aber ich muss ihn erst noch sehen.

...und BRAVE, out of all of them??? Strange... Aber an den Oscars gibt es immer zu wenig Männer in Röcken.


3:06
Pi Pi Pi Pi


3:07
Thank you, Cthulhu!!! And he frightened him, so his hair turned white!
And now give it to AVENGERS
...but it's Pi again.


3:17
okokokok, ich werd NICHT jeden Oscar kommentieren. Das liest kein Schwein!

Anna Karenina hat zwar nun als Film einen Oscar, die Bühnenversion im Theater Basel, welche dann bald kömmt, hat dafür einen Kutti MC. Naaa ja...


3:25
Gänsehaut pur als die erste Dame die Bühne entert. Die 50Jahre Bond Montage war classy classy, doch Shirley Bassey stiehlt die Show. Was für eine Stimme!
Die stehenden Ovationen mehr als verdient!


3:34
Warum wischt sich Shawn Christensen nach den Küsschen seiner Mitkandidaten nervös den Mund??


3:44
YES for Sugarman! Und der Soundtrack dazu ist der Überhammer! Neben Django Unchained!


3:49
Es ist doch immer dieser Mittelteil, welcher sich so gelangweilt in die Länge zieht, aufgelockert durch immer wieder ein Touch of Brilliance vom Host. Ein Joke und weiter im Text. Und Amour holt den Oscar und weitergehts im Text. Und das sülzige Orchester tut sein übriges.
Spannend dieses Jahr: schon der zweite Oscar nach Österreich!


3:56
Catherine Zeta Johnes: Playback oder Live???  Das sah sehr playbacky aus...


3:58
Schreihälse im Sparpaket. Bringt Shirley zurück. bittebittebitte...
Oh come on!!! Standing Ovations für diesen Schrott???? Ich bin enttäuscht!
Bring forth the Miserables. Das kann ja nur besser kommen.

A propos Hugh Jackman: Seine Moderation ist immer noch in bester Erinnerung. Seine Made-up-Mash-up Musical-Nummer mit dem Endstück "...and I'm Wolverine!" war - ist - immer noch Hammer.

Und Russel Crowe hat eine richtig geile Stimme! Muss ich den Film nun doch noch sehen???


4:16
What a turnout. Nach einem weiteren Langhaardackel, welcher Soundediting-Oscars erhält, kommen zwei Langhaardackels um für Bond NOCHMALS zwei Oscars abzustauben.

Was ist es dieses Jahr mit Ü-50 Männern mit langen, fädigen Haaren??


4:31
Ich bin geschockt über das Gesicht von Sandra Bullock. Der Haarschnitt bringt ihren Hals unangenehm in den Vordergrund. Ein weiterer Grund gegen HD-Fernsehen...


4:36
Zweiter Gänsehaut-Moment: Schon wieder ein Bond. Adele, take us away.

Es ist unglaublich, wieviele ikonische musikalische Momente uns James Bond in den letzten Jahren schenkte. Viele funktionieren ja nach einem sehr klassischen Prinzip. Inklusive einem Thema, welches sich durch die 50 Jahre zieht. Orchesterschwulst mit viel Horn, ein guter Basslauf und eine starke Stimme. Ab und zu ändern sich Instrumente zu Gitarren oder Pianos. Einmal rühren und fertig.

No Standing Ovations??? You bastards!



4:51
Salma Hayeck: The Queen of Bling!

Jeffrey Katzenberger: The King of the Schwing aka. man soll den Oscar nicht halten wie sein bestes Teil.


5:02
Und der dritte Gänsehaut-Moment: Babsi


5:11
Das erstaunliche an Ang Lee ist, wie er in so vielen Genres brilliert und sich jeweils die spannendsten Köpfe zusammenscharrt.. Sei es Ice Storm, sei es Crouching Tiger Hidden Dragon, er bleibt nie still und an seinem Spot, sondern ändert sich, morpht und bleibt sich als Visionär, als Suchender treu. Dies zeigt sich auch immer in seiner Musikauswahl.

Gegen die Spielberg-Dauerbesetzung John Williams.


5:26
YEEEEEAH!
Quentin Babe!
2012 - The Writers Year


5:29
Die groooosse Durststrecke. Circus Halligalli hängt zum Halse raus. Das Warten auf die noch folgenden Oscars unerträglich und das Sofa drückt.


5:43
War das Clooney, der zur Treppe eilte um Jennifer Lawrence zu helfen, welche auf der Treppe stürzte?

Pogriff von der Frau Streep... Classy classy...


5:48
DDL ist nun definitiv obercool. Sein Oscar-Speech war einer der spritzigsten Anti-Dankesreden ever. Und der erste Schauspieler der drei Oscars als actor in a leading role abstaubte.


5:53
Mr. Jack Nicholson: We DO miss you on the silver screen. Please do come back!


6:03
aaaand it's done!
ARGO war der grosse Gewinner. Spielberg ging glücklicherweise leer aus. Und die Salzreinigung des verweinten Parkets/Teppich geht wie immer auf... Tja, das werden wir wahrscheinlich nie rausfinden...











































Samstag, 19. Januar 2013

BESTENLISTE Musik 2012

Auch dieses Jahr hat es mir mein musikalisches Spektrum nicht leicht gemacht. Noch nie hab ich in einem Jahr so wenig Musik gekauft. Panikerfüllt stolperte ich im Dezember von einem Gespräch und ersten Bestenlisten zu den nächsten um meine Lücken zu füllen. Nun sind auch die (bisher) letzten Nachzügler eingetroffen, so dass ein Rundumschlag möglich ist. Gegenüber von 2011 war im 2012 jedoch das Album des Jahres sehr klar. Phew... Das ersparrt Dauermusikhörsessions, welche jedoch trotzdem getätigt werden...

Mit einem Huttippser an einen guten Freund sind es dieses Jahr 11 Platten und 21 Songs! Dank an Andreas Storm, welcher mich von einem geilen Konzert zum nächsten prügelt. Was für glückliche Schmerzen.


LANG

∆: An Awesome Wave
THE XX: Coexist
JEREMIAH JAE: Raw Money Rap
YEASAYER: Fragrant World
CLARK: Iradelic
MACKLEMORE & RYAN LEWIS: The Heist
SWANS: The Seer
PURITY RING: Shrines
DJANGO DJANGO: Django Django
RUDY ZYDALGO: Tragicomedies
LIARS: WIXIW





KURZ

∆: Interlude 1
ANIMAL COLLECTIVE: Today's Supernatural
ZEBRA KATZ & NJENA REDDD FOXXX: Ima Read
THE XX: Reunion
MACKLEMORE & RYAN LEWIS: Thrift Shop
CLARK: The Pining pt1
FRIENDS: I'm His Girl
JOHN MAUS: Castles in the Grave
AZELIA BANKS feat LAZY JAY: 212
RUMMELSNUFF: Machen wir den Tanz
YEASAYER: Fingers Never Bleed
TNGHT: Higher Ground
SWEET N' TENDER HOOLIGAN: Haven't You Heard
PATRICK WOLF: The Libertine (aus Sundark)
MY HEART BELONGS TO CECILIA WINTER: The Future
MODESELEKTOR with THOM YORKE: This
ARIEL PINK'S HAUNTED GRAFFITI: Kinski Assassin
DJANGO DJANGO: Default
PLANINGTOROCK: Patriarchy Over & Out
JACK WHITE: Love Interruption
oOoOO: TryTry


Jahresrückblick 2012


Wie jedes Jahr wieder, weils einfach Spass macht. :-)
Bestenlisten Musik folgen in einem zweiten Post.



FILM DES JAHRES
Avengers


KONZERT DES JAHRES
Radiohead



LONGPLAYER DES JAHRES
SONG DES JAHRES
Beide finden sich auf dem detaillierten musikalischen Rückblick:


INSZENIERUNG DES JAHRES (Theater)
Urwald 


BUCH DES JAHRES
Nemesis (Mark Millar)


MUSIKVIDEO DES JAHRES
Zebra Katz: Ima Read
Runner up: Macklemore: Thrift Shop


REMIX DES JAHRES
Björk: Mutual Core (16-Bit-Remix)
Es gibt zwar vertracktere Mixes, doch ist dieser Remix ein Lehrstück, wie man einen Song noch monströser aufbaut als er im Original ist. Er macht ihn nicht besser, aber eckiger, fieser und zum Auflegen einfach geiler! Turntable-Shredder!!!


KONSOLENSPIEL DES JAHRES
Journey


BRETTSPIEL DES JAHRES
Village


SPEZIALPREIS DES JAHRES
The Life And Death Of Marina Abramovic





Montag, 14. Januar 2013

THE BLACKBERRY BRANDIES Love... and the Gun

Nein, meine Lieben, dies ist kein erneuter Aufguss einer Axel Rose Idee. Obwohl, Alkohol wird bei der Entstehung dieser Platte auch eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn es geht wieder mal um die Liebe, in all ihren Facetten, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Verpackt wurde dies in einem astreines Americana-Folk-Album made in Basel.

Hinter dem Namen BLACKBERRY BRANDIES stecken zwei nicht grade unbekannte Namen. Zum einen Bettina Schelker, ihres Zeichens Singer-Songwriterin, zum anderen Thomas Bäumli Baumgartner, Hardrocker (Undergod, Gurd, Erotic Jesus). Zwei Menschen, welche ihre musikalische Reise nun zusammengeführt hat. Und die Rechnung geht auf. Statt Dauerduetten erwarten die Hörer eine gute Zwei-Handvoll vielseitiger Songs, welche die Stärken der einzelnen, sehr unterschiedlichen Stimmen betonen. Wie damals auch schon Sinatra und Hazlewood harmonieren die stimmlichen Unterschiede in der durchgehend kraftvollen Produktion. Bestes Beispiel dafür sind die wahrnehmbaren, doch sehr dezenten Backing-Vocals, wo sich die Stimmen der beiden gegenseitig anpassen.

Und ist es so, dass die weibliche Sicht auf die Liebe eher lebensbejahend daherkommt, während die männliche sich eher der Melancholie widmet? Selten war Dur und Moll so klar Geschlechterspezifisch verteilt, wie auf diesem Album. Knackpunkt? Der einzig wirklich melancholische Song auf dem Album ist ein Cover von Wicked Game, im Original von Chris Isaak.

Es ist ein sehr vielseitiges Album innerhalb der klaren Parametern des Folk-Blues-Rocks. Doch wird die ganze Palette abgegrast, inkl. aller Referenzen. Doch die sind weit gesteckt. Von Mazzy Star (Black Magnolia) zu den  Filmsoundtracks eines Nick Caves (No Man's Land) mit all den Roots-Balladen on top. Und diese Vielseitigkeit ist der absolute Trumpf des Albums. Die zahlreichen Amerika-Reisen haben sich mehr als gelohnt. Gegenüber der ersten EP kommen die Songs sogar noch ein Tick poppiger rüber, war die EP von einer starken Weite geprägt.

Anspieltipps, und zwei Eckpfeiler des Kosmos BLACKBERRY BRANDIES:
SCARECROW
LONG HARD ROAD

Montag, 10. Dezember 2012

CLOUD ATLAS - Buch und Film


CLOUD ATLAS  ist ein Biest von einem Buch. Denn eigentlich sind es sechs Geschichten, welche auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Diese sechs Minibücher werden Sandwich-mässig, chronologisch inneinandergesteckt und irgendwie ist dann doch alles miteinander verknüpft. Mitchel ist ein formliebender Autor.  Die Art wie ein Buch geschrieben ist ist vielmals auch schon der Grundgedanke zum Buch selber. Bei CLOUD ATLAS wählt er für jede Geschichte eine eigene Genre-Erzählform. Sei es ein Tagebuch, ein 70er-Jahre Thriller oder dialogiertes Erzählen in der Zukunft. Nicht nur die Form ändert sich durch die Dekaden, auch die Sprache passt sich jeweils der Zeiten an, in welchen die Geschichten spielen. Und rein für diese formale Spielerei muss man notumwunden den Hut ziehen. Spannend dabei wären nun die Verknüpfungen innerhalb der Geschichte. Und da wird’s dann leider eher Standard. Es gibt nur zwei Ebenen: Referenzen und Seelen-Geschwafel. Die Referenzen sind eher beiläufig und Standard. Im 70er-Thriller werden beispielsweise Briefe erwähnt, welche das vorhergehende Buch ausmachten oder der Charakter Somni sah in ihrer Vergangenheit mal einen Film, werlcher auf die vorhergehenden Erzählungen basieren, etc.  Die Referenzen sind zwar jeweils sauber umgesetzt, doch erschliesst sich daraus keine weitere Ebene. Die Beiläufigkeit wird bewusst als Stilmittel eingesetzt um die vorigen Geschichten nicht auf ein nichtvorhandenes Podest zu hieven. Das Seelen-Geschwafel wirkt dann doch eher seltsam aufgesetzt. Zwar ist es nicht explizit erwähnt, doch gibt sich bei den Charakteren ein wiederkehrendes Bild eines Muttermales in der Form eines Kometten. Dass es sich dabei um denselben Geist handelt, liegt eigentlich auf der Hand. Beim Lesen dachte ich jedoch immer, dass mit diesem Wissen innerhalb des Romanes etwas geschieht, irgendeine weitere Ebene freigeschaltet wird, doch war ich mir am Schluss darüber nicht bewusst. Es blieb einfach eine schlüssige Behauptung. Der Roman als Ganzes ist flüssig geschrieben und er macht auch relativ Spass zu lesen. Die durchgehend gesellschaftskritische Ebene ist zwar normiert, doch in guten Abständen werden, sauber recherchiert, Einsichten gegeben über die Charaktere, welche zum Denken anregen.  Die letzten paar Seiten, welche wieder tief in der Vergangenheit spielen, jedoch das ganze Buch zusammenfassen, lassen dann doch so etwas wie Euphorie aufleben, welche ich gerne auch zuvor ab und zu gespürt hätte.

Und nun kommt, von einem schon wieder als unverfilmbar deklarierten Buch, eine Filmumsetzung. Tom Tykwer und die Wachowskis spannten zusammen und wagten sich, innerhalb des Buches eine neue Form zu finden. Der sechsminütige Trailer war fantastisch und war ein Auslöser, das Buch im Vorfeld zu lesen. Doch schon da war klar, dass sie es nicht einfach haben werden. Es ist ein Arthousefilm im Gewand eines Mainstream-Schinkens. Die Arthouslers goutieren dies meist nicht und die Mainstreamler verstehen Bahnhof. Schwierige Grundvoraussetzungen. Dass der Film in Amerika dann auch völlig hinter den Erwartungen (Erwartungen???) zurückblieb, war nicht wirklich verwunderlich. Den Filmemachern war von vornherein klar, dass sie die Form des Buches nicht replizieren konnten. Und dazu gibt es auch keinen Grund. Buch ist Buch und Film ist Film. Beibehalten wurde der Genre-Gedanke (Science-Fiction kommt als Science-Fiction,  der altertümliche Briefverkehr als halbe Ivory-Produktion), die offensichtlichen Verknüpfungspunkte und der Hinweis auf das Seelen-Muttermal. Doch statt die Geschichten buchähnlich jeweils in zwei grossen Abschnitten zu zeigen, springen sie munter zwischen den verschiedenen Zeitebenen umher. Aus der orientierungslosen bewussten Überforderung des Zuschauers schälen sich jedoch immer wie öfters spannende Parallelen heraus. Durch die Stringenz der Geschichten; alle fangen gleichzeitig an und finden am Ende des Filmes zu einem Schluss; verdichtet sich das Bild der Buchaussage, dass sich die Geschichten, die Motivationen der Menschen, immer wiederholen. Der Mensch bleibt dumm, ausser er setzt sich über alle psychologischen Hindernisse weg und findet seinen Weg. Das Dreierteam setzt sehr bewusst gleichartige Szenen gegenüber. Teilweise übereinstimmend bis in Details wie Bildausschnitte, Kamerafahrten und Musikeinsätzen. Doch der eigentliche Kern des Filmes ist ein anderer. Statt das Bild der unsterblichen Seele auf eine Figur zu konzentrieren, bauen sie dieses Konzept weiter aus. Der charakterliche Erzählbogen durch die Zeiten wird ausgeweitet auf alle wichtigen Figuren. Um dies visuell umzusetzen, übernehmen die Hauptdarsteller jeweils die wichtigsten Rollen. Inklusive Geschlechteranpassungen. Und die Masken sind hervorragend. Einzelne Darsteller sind so gut getarnt, dass dem Zuschauer nur das Gefühl bleibt, die Figur doch irgendwie zu kennen.

Diese Ausweitung der Grundidee von Mitchel war für mich um einiges befriedigender. Natürlich ist dies im Buch auch impliziert, doch die visuelle Gegenüberstellung von Szenen, der Bogen von Abläufen hat mich am Film genauso beeindruckt, wie die Darstellung der einzelnen Charaktere des Casts. Ich wünschte mir, das Buch nicht im Vorfeld gelesen zu haben, um während dem Film mehr überrascht zu werden.

Wer noch nicht genug Ebenen-Springen hat, eine Empfehlung am Rande. Der Film THE FOUNTAIN verbindet drei Ebenen (Verganhenheit, Gegenwart, Zukunft) zusätzlich in einem emotionalen Spektrum, welches Seinesgleichen sucht.


Hier noch der Trailer zum Film: