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Samstag, 30. Juni 2012

TETSUO - THE IRON MAN

AUS FLEISCH WERDE STAHL!

Das waren noch Taglines... Rapid Eye Movie, dieser kleine japanischer Kult-Film-Herausgeber aus Köln hat mit TETSUO ein weiteres alternatives Nippon-Meisterwerk auf DVD herausgebracht. Zum Inhalt:

Nach dem bizarren Zusammentreffen mit einem deformierten Metallmensch, beginnt der Körper eines kleinen Büroangestellten zur Maschine zu mutieren. Nach einer schmerzhaften Metamorphose steht er schliesslich dem Verursacher seines Leids gegenüber. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, dessen unglaublicher Showdown das japanische Kino revolutionierte.

TETSUO ist ein Film, welcher die Energie und die Bildsprache von David Lynchs ERASERHEAD mit dem Bodyhorror eines frühen Cronenberg mixt. Dazu eine grosse Dosis absurder Humor und Durchgeknalltheit, fein verrührt, abgeschmeckt mit einer Prise Anime-Tentakel-Porno und dem Anspruch, einem eher eklektischen Publikum zu gefallen. Abgiessen und mit einem abgetrennten Ohr servieren. Reservoir Dogs Style.

Guten Appetit.

Wessen Hunger noch nicht gesättigt wäre kann sich sonst gerne auch an der psychedelischen 70er Jahre Splatter Orgie HAUSU gütlich tun. Ein weiteres Schmankerl aus dem Hausu (höhöhö) Rapid Eye Movies. Wer dann noch immer nicht genug hat, versucht sich noch an TAMALA 2010 - A PUNK CAT IN SPACE. Dann aber wirklich gute Träume...











Dienstag, 18. Oktober 2011

LE CHAT DU RABBIN, Joann Sfar


Joann Sfar ist der Vielzeichner der französichen Comic-Szene. Vom durchgeknallten DONJON bis zum nachdenklichen ISAAC zeigte er jeweils neue Facetten seines Schaffens. Letztes Jahr mischte er mit dem Gainsbourg-Biopic auch plötzlich als Regisseur mit. Und nun kommt der Animationsfilm LE CHAT DU RABBIN, welche beides verbindet. Und wie! Der krakelige Stil wurde so gut es möglich war übernommen. Die Hintergründe sind purer Werbeprospekt für Algier. Die Geschichte ist... Tja, DAS ist nun wirklich die schwierige Frage. Um was geht es denn? Der grundsätzliche Gedanke, wie sich ein Glaube auf ein Tier auswirkt ist anfänglich der Katalysator der Geschichte. Das theologische Streitgespräch zwischen der Katze und dem Rabbiner über die menschliche und tierische Auslegung der heiligen Tora ein frühes Highlight des Filmes. Die Handlung ist eigentlich stringent, mäandert aber immer wie mehr zwischen den verschiedenen Figuren und deren persönlichen Geschichten. Schlussendlich webt sich mit einer munter-absurden Sequenz im Finale der Inhaltsteppich zu einem faszinierenden Ganzen, welches schlüssig offen bleibt. Ein spannender, ungewöhnlicher Film und genau deshalb sehr zu empfehlen. 

Spannend wäre es auch gewesen, die angekündigte 3D-Version zu sehen, denn 2D-Animationskunst und 3D?? Mal gucken... 

Und kleine Bemerkung am Rande: Hergé-Fans müssen sich warm anziehen. Nicht nur der wunderbare Cameo im LE CHAT wirft ein neues Licht auf die Figur sondern leider auch die Hollywood-Maschine verwurstelt mit Spielberg (WAAARUUUM!!!! Lass die Finger davon, du Übeltäter!!!) den beliebten Reporter.

Dienstag, 28. Dezember 2010

KÖNIG DER DORNEN (Manga) - KING OF THORN (Anime)

Der vor einigen Jahren bei Tokyopop erschienene Manga KÖNIG DER DORNEN zählt auch heute noch zu einem wichtigen Werk im Bereich westliche Erzählstruktur innerhalb östlichem Setting und Themen. Die Suche nach der Wahrheit gestaltete sich als spannendes Psychospiel der einzelnen Figuren mit reichlich überraschenden Wendungen bis zum letzten Band. Zieht sie euch rein. Guter Stoff!!!

Nun ist der Anime erschienen. Da ich den Manga nun doch schon ein Zeitchen nicht gelesen habe, war ich eigentlich gut unterhalten, mit einigen Abstrichen.  KING OF THORN ist solides Anime-Handwerk. Er ist grundsätzlich spannend und flüssig erzählt. Jedoch versucht er die eigentlich gradlinige Story mit Jump-Cuts zu verschleiern und mysteriöser zu machen, als sie eigentlich ist. Dies könnte in den Händen eines Anime-Meisters sicherlich sehr spannend sein, hier ist es eher nervig. Nach den ewig gleichen Wiederholungen von Flashbacks, die so hektisch zusammengeschnitten sind, dass man doch kurz den Zusammenhang verlieren kann. Diese Hektik wird geschürt, da alle IMMER SO SCHREIEN, ALS OB ES UM LEBEN UND TOD GINGE. Was es ja auch irgendwie tut, dumm nur, dass die hörempfindlichen Monster darauf nie gross reagieren, ausser es ist gut für den Plot. Ärgerlich. Vor allem, da dies der Ausgangspunkt zu einem spannenden Versteckspiel mit den Monstern hätte sein können. Doch hier geht immer alles auf Vorwärts, weiter, go go go...

Die Mangas liegen nun wieder vor mir und im direkten Vergleich schneidet der Film leider nicht wirklich gut ab. Die Unterschiede liegen schon mal in der grundsätzlichen Plot-Struktur. Der Film ist auf Action gepimpt. In der Vorlage sind diese gepaart mit den psychologischen Zwischentönen und starker Figuren-Führung. Die Hintergrundsgeschichte wird im Film an den Anfang gesetzt. Im Manga ist dies zentrales Thema, welches erst Schritt für Schritt aufgelöst wird. Dass aus kürzungstechnischen Gründen Backstorys und Charaktere beschnitten werden für den Übergang in ein anders Medium ist nicht neu. Doch dass gerade sehr wichtige Figuren, wie der Haupt-Antagonist komplett fehlen ist dann eher befremdend. Das so das Ende komplett verändert daherkommt liegt somit auf der Hand.

Wer noch nichts über KÖNIG DER DORNEN weiss: Manga lesen.
Wer nur den Film kennt: Manga lesen
Wer anderer Meinung ist: Manga lesen und mir dann genau schildern, warum er den Film dem Manga vorzieht...

SUMMER WARS

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie frisch und unverbraucht die japanische Anime-Design-Schule daherkommt. Neustes Beispiel SUMMER WARS.

Auf Papier sehr verwirrend sind schon mal die Zutaten zu diesem Feuerwerk an Gefühlen, Ideen und Designs. Zum einen zentral ist die Geschichte um Kenji Koiso, welcher seinen Platz und seine Aufgabe in der Gesellschaft sucht. Kennen wir aus zahlreichen anderen Quellen. Dazu kommt Natsuki Shinohara, welche noch nicht sicher ist, wen sie liebt. Dazu ihr ganzer Familien-Clan mit geschichtsträchtigem Background mit einer solchen Vielzahl an Charakteren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Andere hätten damit schon Stoff für eine länger laufende Serie. Doch hier ist dies nur der Anfang. Dazu kommt ein alternatives Internet namens OZ, in welchem sich die ganze Welt tummelt. Jeder hat darin dann auch wieder einen alternativen Avatar. Dazu noch ein Virus, welcher die virtuelle wie auch die reale Welt langsam ins Chaos stürzt.

Den genaueren Plot könnt ihr sonst hier nachlesen. Doch je weniger ihr wisst, desto spannender ist das Ganze.
http://en.wikipedia.org/wiki/Summer_Wars

Einige Punkte möchte ich dennoch gerne beleuchten. Trotz der Dichte bleibt das Erzähltempo in einem gesunden Mass überschaubar. Die Namen der einzelnen Gesichter sind nicht so wichtig, als ihre klaren Aufgaben. Innerhalb des Plots, wie auch innerhalb der Familiendynamik. Die grafisch sehr klare Struktur der Ästhetik lässt ohne Probleme die virtuelle Welt von der realen unterscheiden. Virtuell herrscht vor weissem Hintergrund der Drang innerhalb von CGI-Masken, die Buntheit der Vielfalt darzustellen. In der Realität gibt es die handelskonformen wunderschön gezeichneten Hintergründe in realitätsnahen Farbgebungen. Darin tummeln sich die mit gutem Strich gezeichneten, während Animationen dynamisch vereinfachten Figuren. Alles in allem ein Augenschmaus ohne überladen zu wirken. Ausser natürlich in den Szenen, in welchem dieser Overflow auf die Sinne der Story dient.

Aber ein besonderes Lob wieder mal auf die äusserst sauber ausgearbeiteten emotionalen Beziehungen der einzelnen Figuren. Vor allem in bestimmten Szenen (welche hier nicht verraten werden) festigt das Team mit klaren Bildern und ruhigem Pacing die emotionalen Prägungen der Figuren. Und wenn es dann zum mehrteiligen Showdown kommt fiebert man aber so was von mit...

Trailer gibt's hier:
http://www.youtube.com/watch?v=w2YfwFirrrE