Nein, meine Lieben, dies ist kein erneuter Aufguss einer Axel Rose Idee. Obwohl, Alkohol wird bei der Entstehung dieser Platte auch eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn es geht wieder mal um die Liebe, in all ihren Facetten, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Verpackt wurde dies in einem astreines Americana-Folk-Album made in Basel.
Hinter dem Namen BLACKBERRY BRANDIES stecken zwei nicht grade unbekannte Namen. Zum einen Bettina Schelker, ihres Zeichens Singer-Songwriterin, zum anderen Thomas Bäumli Baumgartner, Hardrocker (Undergod, Gurd, Erotic Jesus). Zwei Menschen, welche ihre musikalische Reise nun zusammengeführt hat. Und die Rechnung geht auf. Statt Dauerduetten erwarten die Hörer eine gute Zwei-Handvoll vielseitiger Songs, welche die Stärken der einzelnen, sehr unterschiedlichen Stimmen betonen. Wie damals auch schon Sinatra und Hazlewood harmonieren die stimmlichen Unterschiede in der durchgehend kraftvollen Produktion. Bestes Beispiel dafür sind die wahrnehmbaren, doch sehr dezenten Backing-Vocals, wo sich die Stimmen der beiden gegenseitig anpassen.
Und ist es so, dass die weibliche Sicht auf die Liebe eher lebensbejahend daherkommt, während die männliche sich eher der Melancholie widmet? Selten war Dur und Moll so klar Geschlechterspezifisch verteilt, wie auf diesem Album. Knackpunkt? Der einzig wirklich melancholische Song auf dem Album ist ein Cover von Wicked Game, im Original von Chris Isaak.
Es ist ein sehr vielseitiges Album innerhalb der klaren Parametern des Folk-Blues-Rocks. Doch wird die ganze Palette abgegrast, inkl. aller Referenzen. Doch die sind weit gesteckt. Von Mazzy Star (Black Magnolia) zu den Filmsoundtracks eines Nick Caves (No Man's Land) mit all den Roots-Balladen on top. Und diese Vielseitigkeit ist der absolute Trumpf des Albums. Die zahlreichen Amerika-Reisen haben sich mehr als gelohnt. Gegenüber der ersten EP kommen die Songs sogar noch ein Tick poppiger rüber, war die EP von einer starken Weite geprägt.
Anspieltipps, und zwei Eckpfeiler des Kosmos BLACKBERRY BRANDIES:
SCARECROW
LONG HARD ROAD
Montag, 14. Januar 2013
Montag, 10. Dezember 2012
CLOUD ATLAS - Buch und Film
CLOUD ATLAS ist ein
Biest von einem Buch. Denn eigentlich sind es sechs Geschichten, welche auf den
ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Diese sechs Minibücher werden
Sandwich-mässig, chronologisch inneinandergesteckt und irgendwie ist dann doch
alles miteinander verknüpft. Mitchel ist ein formliebender Autor. Die Art wie ein Buch geschrieben ist ist
vielmals auch schon der Grundgedanke zum Buch selber. Bei CLOUD ATLAS wählt er
für jede Geschichte eine eigene Genre-Erzählform. Sei es ein Tagebuch, ein
70er-Jahre Thriller oder dialogiertes Erzählen in der Zukunft. Nicht nur die
Form ändert sich durch die Dekaden, auch die Sprache passt sich jeweils der
Zeiten an, in welchen die Geschichten spielen. Und rein für diese formale
Spielerei muss man notumwunden den Hut ziehen. Spannend dabei wären nun die
Verknüpfungen innerhalb der Geschichte. Und da wird’s dann leider eher
Standard. Es gibt nur zwei Ebenen: Referenzen und Seelen-Geschwafel. Die
Referenzen sind eher beiläufig und Standard. Im 70er-Thriller werden
beispielsweise Briefe erwähnt, welche das vorhergehende Buch ausmachten oder
der Charakter Somni sah in ihrer Vergangenheit mal einen Film, werlcher auf die
vorhergehenden Erzählungen basieren, etc.
Die Referenzen sind zwar jeweils sauber umgesetzt, doch erschliesst sich
daraus keine weitere Ebene. Die Beiläufigkeit wird bewusst als Stilmittel
eingesetzt um die vorigen Geschichten nicht auf ein nichtvorhandenes Podest zu
hieven. Das Seelen-Geschwafel wirkt dann doch eher seltsam aufgesetzt. Zwar ist
es nicht explizit erwähnt, doch gibt sich bei den Charakteren ein
wiederkehrendes Bild eines Muttermales in der Form eines Kometten. Dass es sich
dabei um denselben Geist handelt, liegt eigentlich auf der Hand. Beim Lesen
dachte ich jedoch immer, dass mit diesem Wissen innerhalb des Romanes etwas
geschieht, irgendeine weitere Ebene freigeschaltet wird, doch war ich mir am
Schluss darüber nicht bewusst. Es blieb einfach eine schlüssige Behauptung. Der
Roman als Ganzes ist flüssig geschrieben und er macht auch relativ Spass zu
lesen. Die durchgehend gesellschaftskritische Ebene ist zwar normiert, doch in
guten Abständen werden, sauber recherchiert, Einsichten gegeben über die
Charaktere, welche zum Denken anregen.
Die letzten paar Seiten, welche wieder tief in der Vergangenheit
spielen, jedoch das ganze Buch zusammenfassen, lassen dann doch so etwas wie
Euphorie aufleben, welche ich gerne auch zuvor ab und zu gespürt hätte.
Und nun kommt, von einem schon wieder als unverfilmbar
deklarierten Buch, eine Filmumsetzung. Tom Tykwer und die Wachowskis spannten
zusammen und wagten sich, innerhalb des Buches eine neue Form zu finden. Der
sechsminütige Trailer war fantastisch und war ein Auslöser, das Buch im Vorfeld
zu lesen. Doch schon da war klar, dass sie es nicht einfach haben werden. Es
ist ein Arthousefilm im Gewand eines Mainstream-Schinkens. Die Arthouslers
goutieren dies meist nicht und die Mainstreamler verstehen Bahnhof. Schwierige
Grundvoraussetzungen. Dass der Film in Amerika dann auch völlig hinter den
Erwartungen (Erwartungen???) zurückblieb, war nicht wirklich verwunderlich. Den
Filmemachern war von vornherein klar, dass sie die Form des Buches nicht
replizieren konnten. Und dazu gibt es auch keinen Grund. Buch ist Buch und Film
ist Film. Beibehalten wurde der Genre-Gedanke (Science-Fiction kommt als
Science-Fiction, der altertümliche
Briefverkehr als halbe Ivory-Produktion), die offensichtlichen
Verknüpfungspunkte und der Hinweis auf das Seelen-Muttermal. Doch statt die
Geschichten buchähnlich jeweils in zwei grossen Abschnitten zu zeigen, springen
sie munter zwischen den verschiedenen Zeitebenen umher. Aus der
orientierungslosen bewussten Überforderung des Zuschauers schälen sich jedoch
immer wie öfters spannende Parallelen heraus. Durch die Stringenz der
Geschichten; alle fangen gleichzeitig an und finden am Ende des Filmes zu einem
Schluss; verdichtet sich das Bild der Buchaussage, dass sich die Geschichten,
die Motivationen der Menschen, immer wiederholen. Der Mensch bleibt dumm,
ausser er setzt sich über alle psychologischen Hindernisse weg und findet
seinen Weg. Das Dreierteam setzt sehr bewusst gleichartige Szenen gegenüber.
Teilweise übereinstimmend bis in Details wie Bildausschnitte, Kamerafahrten und
Musikeinsätzen. Doch der eigentliche Kern des Filmes ist ein anderer. Statt das
Bild der unsterblichen Seele auf eine Figur zu konzentrieren, bauen sie dieses
Konzept weiter aus. Der charakterliche Erzählbogen durch die Zeiten wird
ausgeweitet auf alle wichtigen Figuren. Um dies visuell umzusetzen, übernehmen
die Hauptdarsteller jeweils die wichtigsten Rollen. Inklusive
Geschlechteranpassungen. Und die Masken sind hervorragend. Einzelne Darsteller
sind so gut getarnt, dass dem Zuschauer nur das Gefühl bleibt, die Figur doch
irgendwie zu kennen.
Diese Ausweitung der Grundidee von Mitchel war für mich um
einiges befriedigender. Natürlich ist dies im Buch auch impliziert, doch die
visuelle Gegenüberstellung von Szenen, der Bogen von Abläufen hat mich am Film
genauso beeindruckt, wie die Darstellung der einzelnen Charaktere des Casts.
Ich wünschte mir, das Buch nicht im Vorfeld gelesen zu haben, um während dem
Film mehr überrascht zu werden.
Wer noch nicht genug Ebenen-Springen hat, eine Empfehlung am
Rande. Der Film THE FOUNTAIN verbindet drei Ebenen (Verganhenheit, Gegenwart,
Zukunft) zusätzlich in einem emotionalen Spektrum, welches Seinesgleichen
sucht.
Hier noch der Trailer zum Film:
Mittwoch, 14. November 2012
PLANETARY Warren Ellis' Superhelden-Archeologie im 20ten Jahrhundert
Warren Ellis schreibt sich regelmässig die Seele aus dem Leib. Von durchgeknallten Superhelden für Marvel (NEXTWAVE) bis zu nicht weniger durchgeknallten Zukunftsjournalisten (TRANSMETROPOLITAN) findet er immer wieder neue Impulse um der Popkultur einen neuen Kinnhaken zu verpassen. Ab und zu schlägt er auch mit guten Ideen irgendwie doch daneben (MEK) oder lässt durchschnittliches Material aufmotzen zu einem All-Star-Cast FunMovie (RED).
Mit PLANETARY, deren Serienabschluss mit 3jähriger Verzögerung erschien, hat er damals jedoch seine persönliche Latte so hoch gelegt, dass es ihm in seinem Leben wahrscheinlich nicht mehr gelingen wird, sich selber einzuholen. Denn mit PLANETARY wollte er das Superheroes-Genre neu erfinden und hat es auch geschafft.
Normalerweise widmen sich die Superhelden jeweils einander. Die persönlichen, soapigen Beziehungen halten die Serien seit über 50 Jahren am Leben. Somit sind es immer die aktuellen Bezüge innerhalb des Helden-Weltbildes, welche der Motor für die aktuelle Geschichte ist. PLANETARY geht einen völlig anderen Weg. Die drei Helden sind "Archeologists of the Impossible" mit ihrer sehr klaren Aufgabe, die Welt so seltsam zu halten, wie sie eh schon ist. It's a strange World, let's keep it that way. Das spannende dabei ist die Form der Archeologie. Denn in dem sehr offen gewählten Universum hat die Popkultur seit über 100 Jahren gewütet. Godzilla, Tarzan, Hulk, Superman oder Green Lantern waren alle da und haben Spuren hinterlassen. Und so geht man als Leser selber auf Spurensuche und erkennt hinter jedem Eck wieder eine neue bekannte Figur, welche gerade so stark verändert wurde, dass es kein Copyright-Problem gibt. Durch die ikonische Haltung vieler der Original-Charaktere, sind die Querverweise jedoch sehr offensichtlich.
Wie bei einer guten Mystery-Serie stehen die ersten paar Ausgaben komplett für sich, jeweils mit einer abgeschlossenen Geschichte. Doch im Hintergrund spinnen sich Fäden zusammen zu einem BigPicture. Und auch wenn sich diese Geschichte dann sehr klassisch erzählen liesse, setzen die einzelnen Funde jeweils die eigenen vergangenen Geschichten im Kopf des Lesers frei. Gepaart mit den unglaublich detailverliebten aber dennoch klaren Bildern des Zeichners John Cassaday taucht man ein in eine Welt, welche man eigentlich als Comic-Leser seit Jahren kennt. Und endlich wird man ernstgenommen, wird dass Wissen abgefragt, dass man sich über Jahre ansammelte. Und wenn dann in der letzten Ausgabe noch kurz die Grundidee der Zeitreise revolutioniert wird, treibt dies nur noch Tränen des Glücks...
PLANETARY war mit 27 US-Heften abgeschlossen und kam in 4 Sammelbänden nochmals raus. Die Spin-Offs sind ausser dem einten mit Batman eher mau. Es gibt auch noch eine Luxusedition im Grossformat in zwei Bänden.
PLANETARY ist Comic-Popkultur in Reinform! Have Fun!
Mit PLANETARY, deren Serienabschluss mit 3jähriger Verzögerung erschien, hat er damals jedoch seine persönliche Latte so hoch gelegt, dass es ihm in seinem Leben wahrscheinlich nicht mehr gelingen wird, sich selber einzuholen. Denn mit PLANETARY wollte er das Superheroes-Genre neu erfinden und hat es auch geschafft.
Normalerweise widmen sich die Superhelden jeweils einander. Die persönlichen, soapigen Beziehungen halten die Serien seit über 50 Jahren am Leben. Somit sind es immer die aktuellen Bezüge innerhalb des Helden-Weltbildes, welche der Motor für die aktuelle Geschichte ist. PLANETARY geht einen völlig anderen Weg. Die drei Helden sind "Archeologists of the Impossible" mit ihrer sehr klaren Aufgabe, die Welt so seltsam zu halten, wie sie eh schon ist. It's a strange World, let's keep it that way. Das spannende dabei ist die Form der Archeologie. Denn in dem sehr offen gewählten Universum hat die Popkultur seit über 100 Jahren gewütet. Godzilla, Tarzan, Hulk, Superman oder Green Lantern waren alle da und haben Spuren hinterlassen. Und so geht man als Leser selber auf Spurensuche und erkennt hinter jedem Eck wieder eine neue bekannte Figur, welche gerade so stark verändert wurde, dass es kein Copyright-Problem gibt. Durch die ikonische Haltung vieler der Original-Charaktere, sind die Querverweise jedoch sehr offensichtlich.
Wie bei einer guten Mystery-Serie stehen die ersten paar Ausgaben komplett für sich, jeweils mit einer abgeschlossenen Geschichte. Doch im Hintergrund spinnen sich Fäden zusammen zu einem BigPicture. Und auch wenn sich diese Geschichte dann sehr klassisch erzählen liesse, setzen die einzelnen Funde jeweils die eigenen vergangenen Geschichten im Kopf des Lesers frei. Gepaart mit den unglaublich detailverliebten aber dennoch klaren Bildern des Zeichners John Cassaday taucht man ein in eine Welt, welche man eigentlich als Comic-Leser seit Jahren kennt. Und endlich wird man ernstgenommen, wird dass Wissen abgefragt, dass man sich über Jahre ansammelte. Und wenn dann in der letzten Ausgabe noch kurz die Grundidee der Zeitreise revolutioniert wird, treibt dies nur noch Tränen des Glücks...
PLANETARY war mit 27 US-Heften abgeschlossen und kam in 4 Sammelbänden nochmals raus. Die Spin-Offs sind ausser dem einten mit Batman eher mau. Es gibt auch noch eine Luxusedition im Grossformat in zwei Bänden.
PLANETARY ist Comic-Popkultur in Reinform! Have Fun!
Dienstag, 9. Oktober 2012
SOFA ROCKERS .. Superluminal
Ich weiss noch wie vor knapp 15 Jahren im gloriosen
Plattenladen Roxy stand und laut lachte, als mich eine Platte anlächelte mit
dem sympathischen Namen SOFA SURFERS. Ich hatte keine Ahnung wie das zu tönen
hatte und griff beherzt zu um reinzuhören. Und Kawoooom. Ich wurde so was von
weggeblasen von einer hibbeligen Dub-Welle, die mich irgendwo zwischen Island
und Hawaii spülte. Ein paar Monate später ein völlig unterbesuchtes Konzert in
London irgendwo in nem kleinen, nicht mehr existierenden Club bei Covent Garden
und ich war offizieller Sofa Rocker.
Und nun kommt die neue Platte. Und die ist natürlich wieder
völlig anders. Irgendwie. Leider? Leider! Irgendwie fehlt da was. In der Fülle
der momentan sehr dubbig angehauchten Veröffentlichungen, verzichtet die Band auf
den damals wichtigsten Einfluss in ihrem Schaffen. Was bleibt übrig? Irgend
eine seltsame Mischung einer schlechteren Kopie der früheren Massive Attack,
einer Linkin Park für den Dubrock-Bereich und einem handzahmen
Pendulum-Verschnitt. Jeder Song erinnert an einen Song, den man woanders
irgendwann schon mal besser gehört hatte. Beispiel? Broken Together klaut den
anfänglichen Gitarrenlauf halb bei The XX um dann mit verhaltenen Dubstep-Elementen Brisanz im Song
zu simmulieren. Es ist nie wirklich schlecht, aber leider eben auch nie
wirklich gut.
Die Relevanz wäre in den politisch angehauchten Texten,
welche aber nie wirklich tief gehen und mit typisch gesellschaftskritischen
Hintergründen aufwarten, wie sie auf dem Gymnasium-Schulhof diskutiert werden.
Auch da: alles irgendwie schon mal besser gehört. Zudem hilft der Gesang nicht
wirklich. Die zwar gute Stimme von Many Obeya hat leider eine ewig gleiche Dynamik, so dass sich nach dem 3.
Song bald mal stimmliche Langeweile ausbreitet. Und dieses ewig gleiche Vibrato
geht auf den Senkel.
Im Presserelease als Überschrift prangt "Wir haben weniger unseren Sound gefunden als vielmehr unsere Arbeitsweise". Meine lieben, geschätzten Sofa Surfers. Eure Arbeitsweise interessiert neben euch kein Schwein. Uns als Konsumenten interessiert euer Sound. Und der ist bei der Arbeitsweise irgendwo stecken geblieben.
Dennoch, Anspieltipps: World in a Matchbox, Out Damn Light, Superluminal
Alternativ zum Album, oder besser gestat STATT das Album, hört euch mal in Seeking Pleasure von THE ALOOF rein. Die machten das gleiche vor über 10 Jahren, mindestens 10x besser...
Dennoch, Anspieltipps: World in a Matchbox, Out Damn Light, Superluminal
Alternativ zum Album, oder besser gestat STATT das Album, hört euch mal in Seeking Pleasure von THE ALOOF rein. Die machten das gleiche vor über 10 Jahren, mindestens 10x besser...
Montag, 20. August 2012
WILDE: Stand and Stare oder Über die Archivierung des Pop
Die schillernde Musikszene Basel hat wieder mal einen neuen Silberling gesprossen, welcher seine Runden durch die Stadt zieht. Das ironische Cover der CD ist auch sinnbildlich, was zu erwarten ist: drei gestandene Herren in schwarzen Anzügen und weissen Hemden stehen gedankenverloren mit einer qualmenden Zigarette und Whiskey-Glas vor schwarzem Hintergrund. Ein Aufbäumen aus der Zeit der rauchgeschwängerten musikdurchdrungenen Clubs, welche eigentlich vom WWF als ausgestorbene Spezies geschützt werden sollte... Und das sage ich als Nichtraucher.
Matthias Wilde hat seine Mannen zusammengetrommelt und hat sich mit ihnen in den unendlichen Weiten der Popmusik auf die Suche nach dem heiligen Gral gemacht. Auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Dieser wurde zwar nicht entdeckt, doch die musikalischen Archeologen haben einiges an Wundern und Tönen in den Ruinen von 50 Jahren Popkultur entdeckt. Wie weit dies auch ihrem Steuermann hinter den Reglern zu verdanken ist, kann nur die Zeit und ein weiteres Album beantworten. Neben dem Trio Wilde, Hidber und Leupen mischte auf diesem Album zum ersten Mal auch Hugh Padham mit. Seines Zeichens Musikgeschichteschreiber mit unter anderem The Police, Peter Gabriel und vielen weiteren. Doch trotz bombastischen Namen und Kombinationen ist das neue Album geprägt von einer Dezenz und allgemeinen Zurückhaltung. Nicht vom musikalischen Standpunkt her. Mehr von der Grundhaltung.
Pop schaute immer voraus, war nie zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand. Wenn er es mal wurde, war es Zeit für eine neue popkulturelle Revolution. 2012 ist diese nicht mehr auf die Musik bezogen. Rhianna bezeichnet sich als Schauspielerin und mimt eine harte Kämpferin mit unfreiwilligen Attacken aufs Zwerchfell. Ok, Battleship ist einfach auch ein schlechter Film und ein unglaublicher Abklatsch von Transformers. Und das ganze vom gleichen Produzenten??' Whaddafugg!!! Anyway: Immer wie mehr gibt es nun die neue Tendenz des Zurückblickens. Nicht im trendigen Sinn, eher in der Avant Garde. Bestes Beispiel war das letzte Album von ONEOTRIX POINT NEVER, welches sinnbildlich auch Replica hiess. Aus Fetzen und Samples von vor allem alten Werbungen zimmerte Daniel Lopatin ein wunderbar verwirrt/verwirrendes Album zusammen, welches grade nicht mehr von akutem Zerfall bedroht war. Eine filigrane Musikarbeit, welche Seinesgleichen sucht. Das Resultat bei Wilde ist zwar ein völlig anderes, doch ideell ist es verwandt. Madonna sucht verzweifelt in der Zukunft nach der neuen Popformel. Wilde schaut zurück, gräbt um, sucht nach vergangenen Ideen und Zitaten. Musikarcheologie in Reinform. Neues kann dadurch nicht entstehen, was aber nichts über die Daseins-Berechtigung aussagt. In einer gewissen Form ist es ein Popentwurf-Sampling, welches immer wie mehr angewandt wird. Damit meine ich nicht die grässlichen House-Cover-Versionen, sondern Grundkonzepte. Was hat früher wie und warum gut funktioniert? Gibt es einen Grund, dass dies nicht mehr praktiziert wird? Es sind die gleichen Fragen, welche Jack White antreiben in einem seit den 60ern fast unangetasteten Studio in England eine Vielzahl seiner Sachen aufzunehmen. Es geht um die Reinheit eines Pops, der über die Musik definiert war und nicht durch ein Branding. Natürlich war auch früher Pop von Vermarktung gezeichnet. Was sich änderte war der Vermarktungswunsch. Früher kam der von der Plattenfirma, jetzt direkt vom Künstler. In diesem Sinne graben Wilde in einem Wühlfeld von verlorenem Pop nach der Musik. Losgelöst vom kommerziellen Standpunkt der Erstveröffentlichung in den vergangenen Tagen. Und somit passt auch das Cover, wie kein zweites.
Es wurde ein schönes Album, welches immer dann am besten funktioniert, wenn sich feine Orchestrierungen, Choreinsätze, Querflöten, Triangeln und spanischem Gitarrengezupfe im Amalgam der Soundfetzen ein erweitertes Ganzes generieren und dies gleichzeitig zelebrieren. Diese Suche, der Weg ist spannender als jeder perfekte Popsong. Warum? Hier hat man eine archivarische Arbeit auf einer CD vereint. Ein perfekter Popsong wird nach einer Woche/einem Monat/einem Jahr abgelöst durch den passenderen perfekten Popsong.
Matthias Wilde hat seine Mannen zusammengetrommelt und hat sich mit ihnen in den unendlichen Weiten der Popmusik auf die Suche nach dem heiligen Gral gemacht. Auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Dieser wurde zwar nicht entdeckt, doch die musikalischen Archeologen haben einiges an Wundern und Tönen in den Ruinen von 50 Jahren Popkultur entdeckt. Wie weit dies auch ihrem Steuermann hinter den Reglern zu verdanken ist, kann nur die Zeit und ein weiteres Album beantworten. Neben dem Trio Wilde, Hidber und Leupen mischte auf diesem Album zum ersten Mal auch Hugh Padham mit. Seines Zeichens Musikgeschichteschreiber mit unter anderem The Police, Peter Gabriel und vielen weiteren. Doch trotz bombastischen Namen und Kombinationen ist das neue Album geprägt von einer Dezenz und allgemeinen Zurückhaltung. Nicht vom musikalischen Standpunkt her. Mehr von der Grundhaltung.
Pop schaute immer voraus, war nie zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand. Wenn er es mal wurde, war es Zeit für eine neue popkulturelle Revolution. 2012 ist diese nicht mehr auf die Musik bezogen. Rhianna bezeichnet sich als Schauspielerin und mimt eine harte Kämpferin mit unfreiwilligen Attacken aufs Zwerchfell. Ok, Battleship ist einfach auch ein schlechter Film und ein unglaublicher Abklatsch von Transformers. Und das ganze vom gleichen Produzenten??' Whaddafugg!!! Anyway: Immer wie mehr gibt es nun die neue Tendenz des Zurückblickens. Nicht im trendigen Sinn, eher in der Avant Garde. Bestes Beispiel war das letzte Album von ONEOTRIX POINT NEVER, welches sinnbildlich auch Replica hiess. Aus Fetzen und Samples von vor allem alten Werbungen zimmerte Daniel Lopatin ein wunderbar verwirrt/verwirrendes Album zusammen, welches grade nicht mehr von akutem Zerfall bedroht war. Eine filigrane Musikarbeit, welche Seinesgleichen sucht. Das Resultat bei Wilde ist zwar ein völlig anderes, doch ideell ist es verwandt. Madonna sucht verzweifelt in der Zukunft nach der neuen Popformel. Wilde schaut zurück, gräbt um, sucht nach vergangenen Ideen und Zitaten. Musikarcheologie in Reinform. Neues kann dadurch nicht entstehen, was aber nichts über die Daseins-Berechtigung aussagt. In einer gewissen Form ist es ein Popentwurf-Sampling, welches immer wie mehr angewandt wird. Damit meine ich nicht die grässlichen House-Cover-Versionen, sondern Grundkonzepte. Was hat früher wie und warum gut funktioniert? Gibt es einen Grund, dass dies nicht mehr praktiziert wird? Es sind die gleichen Fragen, welche Jack White antreiben in einem seit den 60ern fast unangetasteten Studio in England eine Vielzahl seiner Sachen aufzunehmen. Es geht um die Reinheit eines Pops, der über die Musik definiert war und nicht durch ein Branding. Natürlich war auch früher Pop von Vermarktung gezeichnet. Was sich änderte war der Vermarktungswunsch. Früher kam der von der Plattenfirma, jetzt direkt vom Künstler. In diesem Sinne graben Wilde in einem Wühlfeld von verlorenem Pop nach der Musik. Losgelöst vom kommerziellen Standpunkt der Erstveröffentlichung in den vergangenen Tagen. Und somit passt auch das Cover, wie kein zweites.
Es wurde ein schönes Album, welches immer dann am besten funktioniert, wenn sich feine Orchestrierungen, Choreinsätze, Querflöten, Triangeln und spanischem Gitarrengezupfe im Amalgam der Soundfetzen ein erweitertes Ganzes generieren und dies gleichzeitig zelebrieren. Diese Suche, der Weg ist spannender als jeder perfekte Popsong. Warum? Hier hat man eine archivarische Arbeit auf einer CD vereint. Ein perfekter Popsong wird nach einer Woche/einem Monat/einem Jahr abgelöst durch den passenderen perfekten Popsong.
Anspieltipps. Der rumpelnd northern soulige Opener Wall of
Lies und der psychedelisch aufgeladene PopSong Take Your Breath Away.
Samstag, 30. Juni 2012
TETSUO - THE IRON MAN
AUS FLEISCH WERDE STAHL!
Das waren noch Taglines... Rapid Eye Movie, dieser kleine japanischer Kult-Film-Herausgeber aus Köln hat mit TETSUO ein weiteres alternatives Nippon-Meisterwerk auf DVD herausgebracht. Zum Inhalt:
Nach dem bizarren Zusammentreffen mit einem deformierten Metallmensch, beginnt der Körper eines kleinen Büroangestellten zur Maschine zu mutieren. Nach einer schmerzhaften Metamorphose steht er schliesslich dem Verursacher seines Leids gegenüber. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, dessen unglaublicher Showdown das japanische Kino revolutionierte.
TETSUO ist ein Film, welcher die Energie und die Bildsprache von David Lynchs ERASERHEAD mit dem Bodyhorror eines frühen Cronenberg mixt. Dazu eine grosse Dosis absurder Humor und Durchgeknalltheit, fein verrührt, abgeschmeckt mit einer Prise Anime-Tentakel-Porno und dem Anspruch, einem eher eklektischen Publikum zu gefallen. Abgiessen und mit einem abgetrennten Ohr servieren. Reservoir Dogs Style.
Guten Appetit.
Wessen Hunger noch nicht gesättigt wäre kann sich sonst gerne auch an der psychedelischen 70er Jahre Splatter Orgie HAUSU gütlich tun. Ein weiteres Schmankerl aus dem Hausu (höhöhö) Rapid Eye Movies. Wer dann noch immer nicht genug hat, versucht sich noch an TAMALA 2010 - A PUNK CAT IN SPACE. Dann aber wirklich gute Träume...
Das waren noch Taglines... Rapid Eye Movie, dieser kleine japanischer Kult-Film-Herausgeber aus Köln hat mit TETSUO ein weiteres alternatives Nippon-Meisterwerk auf DVD herausgebracht. Zum Inhalt:
Nach dem bizarren Zusammentreffen mit einem deformierten Metallmensch, beginnt der Körper eines kleinen Büroangestellten zur Maschine zu mutieren. Nach einer schmerzhaften Metamorphose steht er schliesslich dem Verursacher seines Leids gegenüber. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, dessen unglaublicher Showdown das japanische Kino revolutionierte.
TETSUO ist ein Film, welcher die Energie und die Bildsprache von David Lynchs ERASERHEAD mit dem Bodyhorror eines frühen Cronenberg mixt. Dazu eine grosse Dosis absurder Humor und Durchgeknalltheit, fein verrührt, abgeschmeckt mit einer Prise Anime-Tentakel-Porno und dem Anspruch, einem eher eklektischen Publikum zu gefallen. Abgiessen und mit einem abgetrennten Ohr servieren. Reservoir Dogs Style.
Guten Appetit.
Wessen Hunger noch nicht gesättigt wäre kann sich sonst gerne auch an der psychedelischen 70er Jahre Splatter Orgie HAUSU gütlich tun. Ein weiteres Schmankerl aus dem Hausu (höhöhö) Rapid Eye Movies. Wer dann noch immer nicht genug hat, versucht sich noch an TAMALA 2010 - A PUNK CAT IN SPACE. Dann aber wirklich gute Träume...
Mittwoch, 25. April 2012
THE AVENGERS by Joss Whedon
Es war an einem gemütlichen Abend im 2008, als ich völlig begeistert aus INCREDIBLE HULK rauslief. Weniger wegen dem zwar unterhaltsamen, aber leicht schalen Film. Nein, Bei HULK hatte es das erste Mal Klick gemacht. Nicht nur die lezte Nach-Credit-Szene mit einem Cameo-Auftritt von Iron Man welcher von einem Team faselte, der ganze Film war gespickt mit Querverweisen auf Captain America, auf Wolverine, auf Iron Man etc. Mir war da zum ersten Mal klar, dass Marvel dabei ist, ein Filmuniversum aufzubauen. Auch die folgenden Filme waren stilistisch aus einem Guss. Action, Unterhaltung und eine gute Prise Humor waren bei allen gegeben. Die Charaktere auch so angeglichen, dass es ohne weitere Probleme möglich wäre, dass ein Hauptcharakter als ein Nebencharakter in einem anderen Film auftauchen könnte.
Als gegenteiliges Beispiel dient zB. das verkorkste Filmuniversum DC. Batman zieht zwar tonnenweise Leute ins Kino, ist aber von der nolanschen Vision zu stark definiert, dass plötzlich Superman oder Green Lantern auftauchen könnte. Es würde nicht passen. Leider.
Und nun ist er da. THE AVENGERS. Der Film, welcher die grossen Filmhelden in einem Team vereint: IRON MAN, THOR, CAPTAIN AMERICA, HULK, BLACK WIDOW, HAWKEYE und NICK FURY. Eigentlich der erste Superhelden-Ensemble-Film. Hauptrollen? Wer braucht schon Hauptrollen! Die verzwickte Ausgangslage, aus diesem Amalgam von Testosteron die einzelnen Charaktere so weiterzubringen, wie es zum einen in ihrer Rollenmatrix festgelegt ist und zum anderen in ihren entsprechenden Filmen behandelt wurde war äusserst komplex. Sie brauchte eine feste Hand, welche die Rollen gut kannte und sich auch im Comic-Universum zu Hause fühlte. Enter Joss Whedon! Nicht nur ist er bei THE AVENGERS für die Regie verantwortlich, er schrieb auch das Drehbuch. Zak Penn, welcher schon bei X-MEN 2 zeigte, dass er mit vielen Figuren gleichzeitig gekonnt jonglieren kann, war mitverantwortlich für die Story.
Doch zurück zu Joss Whedon. Neben 6 Seasons BUFFY (glaubts mir endlich: super geschrieben!), einer leider verkannten kongenialen Space-Serie (FIREFLY!!!) hatte Joss Whedon eine andere Sache geschafft, welche eigentlich unmöglich war. Nach einem sensationellen Run bei den NEW X-MEN schloss Grant Morrison sein Epos mit einem Bang ab. Doch ein X-Vakuum sollte sich nicht einstellen. Mit ASTONISHING X-MEN kochte Whedon auf gleicher Hitze weiter und schaffte es, einen vermeintlich toten Charakter in einem Heart in the Mouth-Moment wieder zurück zu bringen. Fans lagen ihm zu Füssen. Und langsam soll sich der gute Herr Gedanken machen, denn nach THE AVENGERS wollen sich ihm noch mehr Leute zu seinen Füssen werfen.
Der Film beginnt ohne lange Introduction. Die kann und muss man sich zwangsläufig in den einzelnen Filmen reinziehen. Das Publikum soll im Vorfeld wissen, warum es diesen Film sehen will. Der Bösewicht wird auch innerhalb der ersten Minuten etabliert. Was dann geschieht ist recht erstaunlich. Der Trailer im Hinterkopf denkt man sich ständig: "Hmmm, wie geht das alles zusammen? Wie geht das auf?" In der Mitte des Films ist man noch nicht wirklich schlauer, da die einzelnen Charaktere ihre Karten noch nicht alle offengelegt haben. Die Integrität der einzelnen Figuren wird teilweise auf eine harte Probe gestellt. Für die Zuschauer ist dies Unterhaltung und Spannung pur. Durch die völlig verschiedenen Sichtweisen auf die Welt und ihren Platz in dieser sind Konflikte zwischen den Hauptfiguren vorprogrammiert. Die Realisation über den Plot kommt auch bei den Zuschauern subtil und schleichend. Nicht wie ein James Bond-Bösewicht, welcher in einer Sequenz dann seine Karten offen legt, dass es auch dem letzten Idioten klar wird, um was es geht. Zudem legt der Film ein rasantes Tempo an den Tag. Vielmals laufen mehrere Plots gleichzeitig ohne jedoch den Fokus zu stark zu strapazieren. Wenn dann im letzten Drittel die Fäden alle zusammenlaufen und die Schlacht um New York entbrennt, zündet der Film sein Feuerwerk. Da die Charakter-Arbeit innerhalb des Filmes so dicht ist, fiebert man empathisch dem Ende entgegen. Durch die Integration einer realistischen Emotionalität können Bay-Busters wie Transformers oder Battleship, wie auch anderes Gerümpel, welches nur visuel funktioniert, einpacken. SO macht man ein befriedigendes High-Concept-Action-Helden-Spektakel. Selten wurde während elaborierten CGI-Action-Szenen so viel Humor eingebaut. Eisgekühlte One-Liners (meilenweit entfernt von üblichem Palaver), visuelle Gags (Hulk vs. Thor nach dem Fällen eines Biestes), Popkultur-Referenzen (GALAGA!!!), charakterorientierte Situationskomik, etc. Es ist fast anbiedernd, wie einem der Film unterhalten möchte. Das Problem dabei... er tuts!
THE AVENGERS ist neben KICK-ASS und SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD eine der besten Comic-Adaptionen. Im Film ist alles drinn, was man sehen möchte, was man sehen wollte, was man sich gewünscht hat. Komplettes Fanboy-Pleasing! Doch er bietet noch viel mehr. Gräbt man ein wenig tiefer, entdeckt man besprochene Themen und Nuancen, welche in einem Film in dieser Grössenordnung immer wie seltener werden. Wer also ein wenig Spass hatte an den bisherigen Marvel-Filmen, dem leg ich AVENGERS aber so was von ans Herz! Und bleibt sitzen! BLEIBT UM HIMMELS WILLEN SITZEN!!!! Die Abspann-Sequenz hats auch diesmal in sich!!!
Als gegenteiliges Beispiel dient zB. das verkorkste Filmuniversum DC. Batman zieht zwar tonnenweise Leute ins Kino, ist aber von der nolanschen Vision zu stark definiert, dass plötzlich Superman oder Green Lantern auftauchen könnte. Es würde nicht passen. Leider.
Und nun ist er da. THE AVENGERS. Der Film, welcher die grossen Filmhelden in einem Team vereint: IRON MAN, THOR, CAPTAIN AMERICA, HULK, BLACK WIDOW, HAWKEYE und NICK FURY. Eigentlich der erste Superhelden-Ensemble-Film. Hauptrollen? Wer braucht schon Hauptrollen! Die verzwickte Ausgangslage, aus diesem Amalgam von Testosteron die einzelnen Charaktere so weiterzubringen, wie es zum einen in ihrer Rollenmatrix festgelegt ist und zum anderen in ihren entsprechenden Filmen behandelt wurde war äusserst komplex. Sie brauchte eine feste Hand, welche die Rollen gut kannte und sich auch im Comic-Universum zu Hause fühlte. Enter Joss Whedon! Nicht nur ist er bei THE AVENGERS für die Regie verantwortlich, er schrieb auch das Drehbuch. Zak Penn, welcher schon bei X-MEN 2 zeigte, dass er mit vielen Figuren gleichzeitig gekonnt jonglieren kann, war mitverantwortlich für die Story.
Doch zurück zu Joss Whedon. Neben 6 Seasons BUFFY (glaubts mir endlich: super geschrieben!), einer leider verkannten kongenialen Space-Serie (FIREFLY!!!) hatte Joss Whedon eine andere Sache geschafft, welche eigentlich unmöglich war. Nach einem sensationellen Run bei den NEW X-MEN schloss Grant Morrison sein Epos mit einem Bang ab. Doch ein X-Vakuum sollte sich nicht einstellen. Mit ASTONISHING X-MEN kochte Whedon auf gleicher Hitze weiter und schaffte es, einen vermeintlich toten Charakter in einem Heart in the Mouth-Moment wieder zurück zu bringen. Fans lagen ihm zu Füssen. Und langsam soll sich der gute Herr Gedanken machen, denn nach THE AVENGERS wollen sich ihm noch mehr Leute zu seinen Füssen werfen.
Der Film beginnt ohne lange Introduction. Die kann und muss man sich zwangsläufig in den einzelnen Filmen reinziehen. Das Publikum soll im Vorfeld wissen, warum es diesen Film sehen will. Der Bösewicht wird auch innerhalb der ersten Minuten etabliert. Was dann geschieht ist recht erstaunlich. Der Trailer im Hinterkopf denkt man sich ständig: "Hmmm, wie geht das alles zusammen? Wie geht das auf?" In der Mitte des Films ist man noch nicht wirklich schlauer, da die einzelnen Charaktere ihre Karten noch nicht alle offengelegt haben. Die Integrität der einzelnen Figuren wird teilweise auf eine harte Probe gestellt. Für die Zuschauer ist dies Unterhaltung und Spannung pur. Durch die völlig verschiedenen Sichtweisen auf die Welt und ihren Platz in dieser sind Konflikte zwischen den Hauptfiguren vorprogrammiert. Die Realisation über den Plot kommt auch bei den Zuschauern subtil und schleichend. Nicht wie ein James Bond-Bösewicht, welcher in einer Sequenz dann seine Karten offen legt, dass es auch dem letzten Idioten klar wird, um was es geht. Zudem legt der Film ein rasantes Tempo an den Tag. Vielmals laufen mehrere Plots gleichzeitig ohne jedoch den Fokus zu stark zu strapazieren. Wenn dann im letzten Drittel die Fäden alle zusammenlaufen und die Schlacht um New York entbrennt, zündet der Film sein Feuerwerk. Da die Charakter-Arbeit innerhalb des Filmes so dicht ist, fiebert man empathisch dem Ende entgegen. Durch die Integration einer realistischen Emotionalität können Bay-Busters wie Transformers oder Battleship, wie auch anderes Gerümpel, welches nur visuel funktioniert, einpacken. SO macht man ein befriedigendes High-Concept-Action-Helden-Spektakel. Selten wurde während elaborierten CGI-Action-Szenen so viel Humor eingebaut. Eisgekühlte One-Liners (meilenweit entfernt von üblichem Palaver), visuelle Gags (Hulk vs. Thor nach dem Fällen eines Biestes), Popkultur-Referenzen (GALAGA!!!), charakterorientierte Situationskomik, etc. Es ist fast anbiedernd, wie einem der Film unterhalten möchte. Das Problem dabei... er tuts!
THE AVENGERS ist neben KICK-ASS und SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD eine der besten Comic-Adaptionen. Im Film ist alles drinn, was man sehen möchte, was man sehen wollte, was man sich gewünscht hat. Komplettes Fanboy-Pleasing! Doch er bietet noch viel mehr. Gräbt man ein wenig tiefer, entdeckt man besprochene Themen und Nuancen, welche in einem Film in dieser Grössenordnung immer wie seltener werden. Wer also ein wenig Spass hatte an den bisherigen Marvel-Filmen, dem leg ich AVENGERS aber so was von ans Herz! Und bleibt sitzen! BLEIBT UM HIMMELS WILLEN SITZEN!!!! Die Abspann-Sequenz hats auch diesmal in sich!!!
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